Ein Sportplatz braucht Platz. Logisch, sonst hieße er ja nicht so. Weil ein Sportplatz Platz braucht, ist er in einer Großstadt, in die immer mehr Menschen ziehen, für die immer mehr Wohnungen gebaut werden, eine gefährdete Art. Und das, obwohl immer mehr Bewohner dieser wachsenden Stadt nach Plätzen verlangen, um auf ihnen Fußball zu spielen oder Hockey oder Tennis.

Willkommen in der Sportstadt Hamburg. Willkommen bei ihrem größten Problem.

Wie können es die Stadt und ihre Vereine schaffen, in einer Metropole, die nach nichts mehr sucht als nach freier Fläche, das Angebot auf Spielfeldern und in Sporthallen so zu erweitern, dass alle Menschen dort Sport machen können, die es wollen?

Diese Frage beschäftigt gerade den Senat, die Bezirke, Vereine und Verbände. Diskutiert wird sie überall in der Stadt. Kein Viertel, in dem die Situation entspannt ist, in dem Vereine und Abteilungen nicht um Platz- und Hallenzeiten konkurrieren. Kein Viertel, in dem die Hallen und Plätze nicht gedrittelt oder geviertelt werden, damit so viele wie möglich gleichzeitig darauf trainieren können.

Zu Streit führt die Frage dort, wo der Druck besonders groß ist, wo besonders viele Menschen hinziehen, wo die Begehrlichkeiten besonders groß sind. Streit gibt es in Altona.

Vor dem Vereinshaus bei der Königstraße stapeln sich Pflastersteine auf Paletten, am Gebäude ragen Gerüste auf. Der Altonaer Turnverband, gegründet 1845, baut um. Was natürlich heißt: Er baut aus. Am Empfang vorbei, durch eine Tür, auf der "Sport Koordination" steht, geht es rein ins Planungszentrum der Baustelle, zu den Arbeitsplätzen des ersten Vorsitzenden Klaus Warm und des Geschäftsführers Dirk Hartmann. Der Boden ist mit Pressspan ausgelegt, an den Wänden hängen Skizzen des Gebäudes. Die Schreibtische der beiden Männer sind so klein, dass sich die Anträge und Baupläne stapeln.

Als sie vor zwei Jahren mit dem Ausbau begannen, wussten sie schon, dass er nicht ausreichen würde. 9.500 Mitglieder hat der ATV zurzeit, in den vergangenen fünf Jahren sind 3500 hinzugekommen. Der Verein wächst, weil Altona einer der Stadtteile ist, in den besonders viele Menschen ziehen, die dann zum ATV kommen, um Yoga zu machen, Zumba, Badminton, Aerobic, Boxen. Weil der Verein keinen anderen Platz bekommt, baut er nach oben, bald ist das Gebäude zweieinhalb Etagen hoch, aufs Dach kommt ein Fitnessparcours.

Ein neuer Stadtteil entsteht – ohne großen Sportplatz

"So ein Ausbau in die Höhe ist ein wahnsinniger Kraftakt, er kostet uns 5,5 Millionen Euro, sehr viel Geld für einen Verein wie den ATV", sagt Dirk Hartmann, der Geschäftsführer.

"Wenn wir fertig sind, haben wir endlich wieder genügend Raum für alle Mitglieder unseres Vereins", sagt Klaus Warm, der Vorsitzende. "Aber was wir mit denen machen sollen, die bald ins Viertel kommen, wissen wir nicht."

Die Menschen, von denen Warm spricht, sind die Bewohner, die erwartet werden, wenn die Häuser und Wohnungen in der Neuen Mitte Altona, im benachbarten Holsten-Quartier und am neuen Fernbahnhof fertig sind. Ein neuer Stadtteil im Stadtteil entsteht, rund 10.000 Wohnungen mit voraussichtlich 25.000 neuen Einwohnern, die Kitas brauchen, Schulen, Supermärkte, Parkplätze, Bushaltestellen. Und eigentlich auch Sportplätze und Sporthallen.