In unserem Sonnensystem gibt es laut aktueller Zählung 173 Monde, die einen der acht Planeten umkreisen. Aber keiner von ihnen hat wiederum einen eigenen Mond, also einen natürlichen Begleiter, der auf einer Bahn um ihn herumfliegt. Wäre so ein "Mondmond" physikalisch überhaupt möglich? Immerhin, unser Erdmond wird von einem künstlichen Satelliten begleitet: Seit fast acht Jahren ist der Lunar Reconnaissance Orbiter auf einer Mondumlaufbahn und schickt zum Beispiel Fotos von den Apollo-Landestellen zur Erde. Das zeigt: Die Physik erlaubt es, dass ein Körper um einen größeren Körper kreist (den Mond), der wiederum um einen größeren Körper kreist (die Erde), der um einen viel größeren Körper kreist (die Sonne).

Wie nahe muss ein Objekt dem Mond sein, um nicht von der Erde weggezogen zu werden? Der Bereich, in dem eine solche Bahn möglich ist, wird von den Astronomen die Hill-Sphäre genannt. Bei der Erde reicht sie 1,5 Millionen Kilometer weit ins All, der Mond ist da mittendrin. Seine eigene Hill-Sphäre hat einen Radius von nur 60.000 Kilometern (immerhin die größte eines Mondes im Sonnensystem). Da ständig kleinere und größere Brocken die Bahnen von Planeten und Monden kreuzen, wäre es durchaus denkbar, dass irgendwann ein solcher Körper von unserem Mond oder einem der anderen eingefangen wird und dann zu einem Mondmond wird. Aber warum sehen wir keine solchen Objekte im All?

Weil die Monde ihrem Mutterplaneten so nahe sind, dass neben der Bahnmechanik noch andere Kräfte wirken. Der Erdmond etwa beschreibt eine "gebundene Rotation" um die Erde – ihre Gezeitenkräfte haben dazu geführt, dass er uns ständig dieselbe Seite zuweist. Diese Kräfte wirken auch auf jeden seiner Begleiter und bremsen ihn auf Dauer ab. Deshalb wird der Lunar Reconnaissance Orbiter in den nächsten Jahren auf den Mond stürzen, und dieses Schicksal müsste auch jeden natürlichen Begleiter ereilt haben, sofern es je einen gegeben hat.

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