Der Chef bin ich. Und das ist das Problem, sagt Daniel Erk.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 12 vom 16.3.2017.

Ich habe Angst. Es ist 22.08 Uhr, Mittwochabend, und ich habe ein Problem: Ich weiß nicht, was ich schreiben soll. Etwas zu vollmundig habe ich dem Ressortleiter vergangene Woche erzählt, was mir alles einfällt. Wohin sich diese Kolumne bewegen könnte. Jetzt sitze ich hier, und mir fällt nichts ein.

Teil des Problems ist die Redakteurin. Ich habe sie noch nie gesehen. Was ich kenne: einen Namen. Ein paar Artikel, die sie geschrieben hat und die ich klug fand. Was ich noch weiß: Ihre Anmerkungen zu einem Text, der mir wichtig war, haben jede argumentative Schwachstelle und jede sprachliche Nachlässigkeit offengelegt. Das war gut, für den Text, für mich. Und es war eine Erfahrung der Nacktheit. Das macht es nicht einfacher.

Was die Sache einfacher macht: Die Redakteurin hat Humor und nicht das Gefühl, sie würde die Texte lieber selbst schreiben. Viele Menschen glauben, ein guter Journalist müsse vor allem ein begnadeter Stilist sein. Aber das stimmt nicht. Ein guter Journalist muss die richtigen Fragen stellen, darf keine Angst haben, fremde Menschen anzusprechen, so was. Nicht gestellte Frage sind ein großes Problem. Ein paar ungelenke Sätze nicht unbedingt. Was das gerade hilft? Nichts.

Im Gegenteil. Ich spüre einen zunehmenden Widerwillen vor der Tastatur. Wie das blöde Ding im Halbdunkeln leuchtet und wartet. Vorwurfsvoll blinkt der Cursor. Kann ich nicht einfach, wie mein Impuls vorschlägt, mit großer Emphase riesige runde rote Kringel auf das bescheuerte Weiß malen?

Ich seufze. Dann schreibe ich.