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Alle US-Präsidenten seit Beginn des letzten Jahrhunderts haben Kriege geführt. Es spricht wenig dafür, dass Donald Trump die Ausnahme sein wird. Im Gegenteil: Gleich zu Anfang seiner Amtszeit hat er seine zentrale Botschaft, er sei ein "Gewinner" und werde Amerika zu neuen Siegen führen, mit Krieg und Aufrüstung verbunden. Vor zwei Wochen hat Trump gesagt, was passieren muss, damit Amerika wieder groß werden kann: "Als ich in der Highschool und im College war, sagten alle, Amerika hat nie einen Krieg verloren. Und jetzt gewinnen wir keinen Krieg mehr. (...) Wir müssen gewinnen. Wir müssen wieder Kriege gewinnen."

Kriege gewinnen? Hat Trump nicht bei jeder Gelegenheit die gescheiterten Kriege seiner Vorgänger im Mittleren Osten kritisiert und behauptet, sie hätten dort alles nur schlimmer gemacht? Was bedeutet es, wenn er nun selber Kriege "gewinnen" will?

In dieser Woche untermauerte Trump seine militärischen Ambitionen mit einer radikalen Umschichtung des Budgets. Die Militärausgaben sollen um zehn Prozent (54 Milliarden Dollar) steigen. Finanzieren will Trump die neuen Panzer, Flugzeugträger und Atombomben, indem er die Ausgaben für Diplomatie, für internationale Organisationen, Entwicklungshilfe und Klimaschutz um bis zu vierzig Prozent zusammenstreicht. Dabei ist die Erkenntnis, dass mangelnde Konfliktprävention oft zur Intervention führt, mit viel Blut erkauft worden.

Diesen Aufrüster wird Angela Merkel am kommenden Freitag endlich zu ihrem verschobenen Antrittsbesuch treffen. Die Kanzlerin und der Präsident werden versuchen, in Washington transatlantische Normalität zu simulieren. Etwa so: Merkel bekräftigt, dass Deutschland künftig mehr Geld für Rüstung ausgeben will, Trump sagt dann vielleicht im Gegenzug mal etwas Nettes über die Nato.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 12 vom 16.3.2017.

Doch es geht hier um etwas Grundsätzliches. Für Trump ist Stärke ein Zweck an sich. Das Militär muss in die Lage versetzt werden, Schlachten zu gewinnen. Die teuersten und fortschrittlichsten Waffensysteme sind Ausdruck der nationalen Stärke. Stärke wiederum übersetzt sich in Macht, und Macht in Sieg.

Das ist ein Bruch mit dem strategischen Denken seit dem Vietnamkrieg. Die meisten Generäle sehen die Ursachen für kriegerische Auseinandersetzungen seither in ungelösten politischen Konflikten, die selten allein durch Gewalt befriedet werden können.

Unter Amerikas Kriegen im vergangenen Jahrhundert waren heroische Einsätze zur Rettung der Zivilisation wie die beiden Weltkriege, "humanitäre" Missionen wie im Kosovo und in Libyen, weltanschauliche Kriege gegen die befürchtete Ausbreitung des Kommunismus wie in Vietnam oder gegen den islamistischen Terror in Afghanistan und immer wieder unverhüllt imperialistische Interventionen, etwa in Lateinamerika. Nicht nur die Begründung, auch die Gestalt des Krieges hat sich immer wieder gewandelt – vom Krieg zwischen Staaten zur verdeckten Spezial-Operation, vom asymmetrischen Anti-Guerilla-Krieg bis zu Obamas heimlichem Drohnenkrieg über Kontinente hinweg.

Wenn Donald Trump sagt, Amerika habe Kriege gewonnen, als er jung war, trügt ihn die Erinnerung. Den letzten großen Krieg, den Amerika mit Glanz und Gloria gewann, war der Zweite Weltkrieg gegen Deutschland, und der ging ein Jahr vor Trumps Geburt zu Ende. Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich der Krieg und damit das Gewinnen und Verlieren. Frankreich bekam das im Indochinakrieg zu spüren, aus dem sich die Kolonialmacht 1954 gedemütigt zurückzog. Die USA scheiterten zwanzig Jahre später am gleichen Ort, in Vietnam. Es war ein Krieg einer Weltmacht gegen eine Guerilla-Organisation, die kämpfte, ohne zu erklären oder zu kapitulieren. Am Ende gaben die Amerikaner auf.

Der asymmetrische Krieg wurde zum Muster für viele Konflikte, in denen Großmächte an kleinen Staaten verzweifelten, denen sie vielfach überlegen waren. Die Sowjets machten in Afghanistan dieselbe Erfahrung. Die Amerikaner ebendort und im Irak ab 2003. Die Kriege neuen Typs zielen nicht auf eine Entscheidung, sondern auf die Erschöpfung in der Endlosschleife. Der Syrienkrieg dauert jetzt schon so lang wie der Zweite Weltkrieg, der Afghanistankonflikt mehr als doppelt so lang. Solche Konflikte sind mit militärischen Mitteln nicht zu beenden. Henry Kissinger, der langjährige US-Außenminister, beobachtete schon im Vietnamkrieg: "Die Guerilla gewinnt, wenn sie nicht verliert. Die konventionelle Armee verliert, wenn sie nicht gewinnt."

Nato - Bröckelt das Bündnis? Donald Trumps Haltung zur Nato löst sicherheitspolitische Diskussionen aus. Brauchen Deutschland und die EU mehr Unabhängigkeit von den USA? Antworten im Video © Foto: ZEIT ONLINE