Kennen Sie diese Marke? 🔴🐂 Oder können Sie folgendes Zitat der britischen Premierministerin Theresa May in Emoji übersetzen: "Brexit bleibt Brexit"? Diese Fragen richtete neulich Jurga Zilinskiene an ihre Bewerber. Zilinskiene ist CEO der Londoner Übersetzungsfirma Translation Today, und diesen Monat wird sie erstmals einen Emoji-Spezialisten einstellen. Es ist der erste Job weltweit dieser Art. 500 Kandidaten hat sie dafür getestet. "Emoji ist die am schnellsten wachsende Sprache der Welt", sagt sie. "Der Bedarf ist da."

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 12 vom 16.3.2017.

Auch die Ägypter hätten schließlich schon in Bildersprache kommuniziert. "Die altägyptischen Hieroglyphen hatten weniger als 1.000 Zeichen, aber wir kennen heute schon fast 2.000 Emojis", sagt Zilinskiene. Zu ihren Kunden zählen nach eigenen Angaben Shell, Chanel, Dior, Bloomberg oder Al-Dschasira. Ihre Mitarbeiter übersetzen Studien, Briefe oder Bedienungsanleitungen in über 200 verschiedene Sprachen – und demnächst dann auch in Emoji.

Emojis, die kleinen Gesichter und Zeichen auf der Handytastatur, gibt es seit den späten 1990er Jahren. Zunächst nur auf japanischen Telefonen installiert, gewannen sie weltweite Popularität, als 2011 die ersten iPhones mit eigener Emoji-Tastatur aufkamen. Damals ergänzten Emojis die Schriftsprache nur, um beispielsweise Ironie zu kennzeichnen oder Gefühle zu transportieren. Heute werden die Bildchen immer unabhängiger und sind weiter verbreitet als die internationale Plansprache Esperanto.

Auf Partys wird nicht mehr Tabu gespielt, sondern Filmtitel werden auf Emoji erraten. Vom Literaturklassiker Moby Dick gibt es schon eine Emoji-Übersetzung, genannt Emoji Dick, und auch eine Emoji-Bilderbibel wurde für die Generation Y erdacht. Der Autohersteller Chevrolet veröffentlichte 2015 sogar eine Pressemitteilung komplett auf Emoji. Nur ein Marketinggag? Emojis sind aus unserer modernen Kultur nicht mehr wegzudenken. "Die australische Außenministerin Julie Bishop benutzt Emojis in ihren Reden oder etwa, um diplomatische Beziehungen zu beschreiben", sagt Jurga Zilinskiene.

Ob Sie auch zum Emoji-Übersetzer taugen, können Sie in diesem Test überprüfen:

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Auch ihre Kunden interessieren sich dafür, wie man Emojis über Marketingzwecke hinaus nutzen kann. "Die Übersetzung von Emojis ist zum Beispiel bei Gerichtsverfahren wichtig, in denen SMS als Beweismittel eingesetzt werden", sagt sie. Schwierig sei allerdings, dass sich Emojis zwar schnell verbreiten, die Bilder aber häufig offen für Interpretationen blieben und in unterschiedlichen Kulturen unterschiedliche Dinge bedeuten. "Das Symbol der gekreuzten Finger beschreibt in Vietnam das weibliche Geschlechtsteil, während wir in Großbritannien damit Glück wünschen", sagt Zilinskiene.

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Laut Stellenausschreibung soll ihr Emoji-Spezialist die privaten Tagebücher eines Kunden übersetzen, monatliche Trendberichte schreiben und über Emojis forschen, um interkulturelle Missverständnisse in der Verwendung der Minibilder zu vermeiden. Dafür bilde man auch Forschungskooperationen mit Universitäten in anderen Ländern, etwa den Universitäten Paris-Diderot und Saint-Boniface in Frankreich.

Die traditionellen Alphabete, meint Zilinskiene, reichen nicht mehr, um die visuell fokussierten Anforderungen der stark technologisierten Kommunikation des 21. Jahrhunderts zu erfüllen: "Es ist nicht verwunderlich, dass eine bildhafte Sprache wie Emoji versucht, diese Lücken zu füllen."