Die Berliner ZDF-Journalistin Birte Meier hat ein spezielles Verhältnis zu ihrem Arbeitgeber. Einerseits kommt sie in ihrem Job bestens klar: Mit einem ihrer Fernsehbeiträge für die Sendung Frontal21 gewann sie gerade einen Preis, die Ergebnisse ihrer Investigativrecherchen werden oft in anderen Medien zitiert.

Andererseits streitet sich Birte Meier mit dem ZDF vor Gericht. Es geht um ihr Gehalt, das sie zu niedrig findet im Vergleich zu dem, was männliche Kollegen mit ähnlichen Aufgaben verdienen. Sie fordert eine Entschädigung in Höhe von 70.000 Euro. In erster Instanz hat sie verloren, aber der Rechtsstreit wird weitergehen.

Produktiv zusammenarbeiten mit einem Chef, den man verklagt, das können sich offenbar nur wenige Frauen vorstellen. Vorbilder, stellte Birte Meier schnell fest, gibt es für ihren Fall nicht. Und das obwohl die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen, die vergleichbare Arbeit erledigen, gegen das Antidiskriminierungsgesetz verstößt. Und eigentlich müsste es gerade in Deutschland viele Betroffene geben. Zumindest beziffert das Familienministerium die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern, die "Equal Pay Gap", mit 22 Prozent. Andere Berechnungen kommen zwar auf niedrigere Zahlen, beispielsweise weil Unterschiede wegen familienbedingten Auszeiten mit eingerechnet werden. Eindeutig fest steht aber: Deutschland schneidet im internationalen Vergleich nicht gut ab.

Ein Gesetz, das die Bundesregierung noch im Frühjahr verabschieden will, sollte das eigentlich ändern: Eine neue Auskunftspflicht für Betriebe soll denjenigen helfen, die ihren Arbeitgeber zur Rechenschaft ziehen wollen.

Der Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen hat sich kaum verändert.

Quelle: Destatis, Deutsche Rentenversicherung, DIW © ZEIT-Grafik

Doch Meiers Beispiel zeigt, warum das geplante Gesetz an der Lohnlücke wohl wenig ändern wird: Auch in Zukunft müssten einzelne Frauen ihren Arbeitgeber verklagen, eine unwahrscheinliche Konstellation. Die Grünen fordern daher ein Verbandsklagerecht, bei denen die Betroffenen sich auch vertreten lassen können.

Einige Expertinnen wie Heide Pfarr vom Deutschen Juristinnenbund fürchten sogar, dass das Klagen durch das Gesetz erschwert wird. Das liegt an einer Korrektur während des Gesetzgebungsverfahrens mit weitreichenden Folgen: Tariflich gebundene Betriebe wurden im Zuge der Beratungen von der Auskunftspflicht ausgenommen. Damit schrumpft die Zahl derjenigen, die das Gesetz nutzen könnten, von 14 auf 10 Millionen.

"Dabei findet man gerade in solchen Unternehmen mit starken Betriebsräten besonders häufig Diskriminierung beim Gehalt", sagt Pfarr. Die sorgten nämlich immer wieder dafür, dass bestimmte Gruppen von Beschäftigten besser eingruppiert würden. Das seien eben überwiegend Männer. Ein Tarifvertrag allein sorge nicht dafür, dass es beim Geldverdienen gerecht zugehe.