Manchmal kommen sie wieder. Und das ist nicht immer erfreulich. Gerade im Pop wirken Wiederauferstehungen oft zombiehaft und lächerlich. Selten kann eine Gruppe, die elf Jahre im Winterschlaf verbracht hat, ihrem eigenen Werk durch ein Comeback noch etwas Substanzielles hinzufügen – geschweige denn einer veränderten Musiklandschaft. Grandaddy aber glückt das seltene Kunststück, und das hat interessante Gründe.

Last Place klingt, als hätte es schon vor zwölf oder zwanzig Jahren geschrieben worden sein können. Es klingt aber auch wie ein Album, das erst noch erscheinen wird. Die Idee, es müsse in der Kunst einen Fortschritt geben, ist dem Quintett aus Kalifornien nicht nur fremd – sie ist ihm suspekt, wie der Glaube an den technischen Fortschritt überhaupt. Das war schon auf Under the Western Freeway so, ihrem Debüt von 1997, einer klanglichen Kollision von E.L.O. und Sonic Youth.

Wer sich dem Lauf der Zeit verweigert, wird alt. Es sei denn, er findet zur Zeitlosigkeit. Sänger Jason Lytle hat weder sein hochmelodiöses Songwriting in Moll modernisiert, noch setzt er lyrisch neue Akzente. Warum auch? Grandaddy gingen, als das Smartphone kam. Heute sind ihre Themen aktuell wie nie. Natur bleibt etwas, das besungen werden will (Brush With the Wild). Alles Technische ist nicht Erlösung, es taugt höchstens als Metapher für Entfremdung (Lost Machine). Seine Allegorien findet Lytle noch immer zwischen den Welten, an den Randzonen: "Grieve like a freeway tree / Old and grey, no love in your leaves". Landstreicher wohnen auf den Dächern von Möbelhäusern, Erinnerungen sind löschbar wie Handyfotos, und aus Passagiermaschinen regnet es Konfetti.

Die sprachlichen Bilder sind so einprägsam wie die Melodien. Die kommen mal als knackige Reminiszenz an den Punk (Chek Injin), mal als nostalgisch gemeinte Indie-Hüpfer in der Tradition von Weezer daher (Way We Won’t), meistens aber im ruhigen und mächtigen Fluss epischer Breite. Hier, mit dunklen Abgründen unter dem Kiel, sind Grandaddy ganz bei sich. In eigenem Fahrwasser, aber in Sichtweite der Positionslampen vergleichbarer Lo-Fi-Space-Folk-Flaggschiffe wie Mercury Rev oder Flaming Lips.

Das eigentliche Herz dieser Musik ist nicht der Synthesizer, nicht das Piano oder das Schlagzeug, erst recht nicht die E-Gitarre – es ist das Falsett von Jason Lytle. Niemand sonst erzählt heute solche Geschichten mit einer solchen Stimme, warm und tröstlich. Wir haben sie nötig.

Grandaddy: Last Place (30th Century Records)