Angela Rinn ist habilitierte evangelische Theologin, Mitglied der EKD-Synode und Pfarrerin in Mainz-Gonsenheim. Unter dem Namen Vera Bleibtreu schreibt sie Krimis. © Harald Oppitz/KNA

Nächste Woche fahre ich auf Konfirmandenfreizeit: 45 junge Menschen in der Blüte ihrer Pubertät, mein Kollege und ich, die Jugendmitarbeiterin und weitere vier Teamer, darunter zwei junge Männer, die ich vor vier Jahren konfirmiert habe und die nun schon die zweite Freizeit als Teamer begleiten. Letzteres ist insofern bemerkenswert, als die beiden während ihrer eigenen Konfirmandenzeit meine Nerven ziemlich strapaziert haben, und das will etwas heißen, denn so leicht bringt mich nach vielen Jahren Erfahrung im Pfarramt nichts mehr aus der Fassung.

Doch ihre Gruppe war einfach anstrengend! Es gab Stunden, nach denen ich ernsthaft überlegte, die beiden endgültig vom Konfirmandenunterricht auszuschließen. Wäre ich katholisch, hätte ich nach ihrer Konfirmation damals mehrere Kreuze geschlagen. Jedenfalls war ich aufrichtig erleichtert, als die Zeit mit den beiden endlich überstanden war. Umso überraschter war ich dann, als ausgerechnet sie sich freiwillig als Teamer gemeldet haben und mit strahlenden Augen von ihrer eigenen Konfizeit schwärmten. "Es war so toll damals!" Mein ungläubiger Blick war offensichtlich, denn sie ergänzten mit einem leicht verschämten Grinsen: "Na ja, vielleicht nicht immer toll für Sie …"

Stimmt, es war alles andere als "toll", trotzdem habe ich das Experiment gewagt und war anschließend ganz begeistert. Die beiden jungen Herren haben als Teamer bestens mitgearbeitet, und dank ihrer eigenen Erfahrung konnte ihnen auch kein Konfirmand etwas vormachen. Die zwei kennen alle Tricks aus eigener Praxis. Deshalb freue ich mich auch darüber, dass sie nun wieder auf eine Freizeit mitfahren – und das, obwohl sie mitten im Abitur stehen und das Wochenende ebenso gut zum "Chillen" nutzen könnten, statt 45 pubertierende Wesen im Zaum zu halten und dazu anzuregen, über Gott und die Welt nachzudenken. Offensichtlich liegt ihnen wirklich etwas an der Aufgabe.

Ein bisschen bin ich auch gerührt darüber, dass es Menschen gibt, die so gerne, ja begeistert an ihre Zeit als Konfirmandinnen und Konfirmanden zurückdenken. In diesem Fall gilt das besonders, denn ich hatte ja von dieser Begeisterung überhaupt nichts mitbekommen. Zugleich lehrt mich diese Erfahrung, dass das Bilderverbot des ersten Gebots auch einen tiefen Sinn im Blick auf pubertierende junge Menschen hat: Man sollte sich kein festes Bild von ihnen machen, auch nicht als Pfarrerin, und ihnen, sosehr sie einem auch auf den Nerven herumtrampeln mögen, die Chance zugestehen, dass dies noch nicht aller Tage Abend ist, sondern eben erst der frühe Morgen eines Lebens.

Dieser Artikel stammt aus Christ & Welt, den Extraseiten der ZEIT für Glaube, Geist und Gesellschaft.

Das bedeutet noch lange nicht, ihnen alles durchgehen zu lassen. "Wir fanden es schon gut, dass Sie auch streng und konsequent waren", haben mir meine frischgebackenen Teamer an einem Abend unserer ersten Freizeit anvertraut. "Wir hätten Sie sonst nicht ernst genommen." Ein bisschen musste ich mir schon ein Grinsen verkneifen, als sie ergänzten: "Wir haben das wohl gebraucht."