Seit sieben Jahren gab es keine Ausstellung mehr in der Kunsthalle zu den Alten Meistern. Weil: rechnet sich nicht, geht keiner hin. Schon deshalb ist die kürzlich eröffnete Ausstellung mit dem venezianischen Maler Paris Bordone (1500 bis 1571) ein Ereignis. Und ein Wagnis. Paris Bordone, das ist nicht nur ein alter Meister. Das ist zu allem Überfluss ein unbekannter Meister.

Um dennoch ein paar Leute ins Museum zu lotsen, trägt die Ausstellung einen hübschen Titel: "Die Poesie der venezianischen Malerei". Da fühlt sich auch der Hamburger angesprochen, der seine Stadt für das Venedig des Nordens hält. Hat nicht die Hansestadt mehr Brücken als die Lagunenstadt? Hat nicht Hamburg die Colonnaden, die venezianisch inspirierte Alte Post? Nun ja.

Was Hamburg auch hat, sind zwei Bilder von Paris Bordone aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Das erste kaufte die Kunsthalle in den 1950er Jahren, das zweite 2015. Bei der Restaurierung der Gemälde erkannte Sandra Pisot, die Kuratorin der Ausstellung, wie innovativ Bordone malte. Das ging so weit, dass er Sand unter die Farbpigmente mischte, um das Rot des Kleides einer jungen Dame verwaschener aussehen zu lassen. Bordone, das begreift man mit dieser Schau, war ein sinnlicher Maler, seine Kunst sollte im von Seuchen und Bränden gebeutelten Venedig eine Feier des Lebens sein. Man sehnte sich nach Schönheit, nach Erotik und Landlust, und der Maler lieferte das alles in leuchtenden Farben und exquisiten Arrangements.

Es ist die erste Ausstellung dieser Größenordnung über Bordone überhaupt in Deutschland. Die Kuratorin hat auch das venezianische Drumherum zusammengetragen: Werke von Tizian, als dessen Schüler Bordone gilt, von Lorenzo Lotto und Palma il Vecchio. Im letzten Raum werden ihnen Aktdarstellungen von Dürer, Cranach und anderen gegenübergestellt. Und klar geht man nördlich der Alpen deutlich kühler zur Sache.

Hamburger Kunsthalle, bis 21. Mai. Der Katalog kostet 30 Euro