Dieser Artikel stammt aus Christ & Welt, den Extraseiten der ZEIT für Glaube, Geist und Gesellschaft.

Wer denkt, beim Sportschießen muss man ballern und sich volllaufen lassen, dem sei an dieser Stelle gesagt: Am Schießstand geht es erstens bis zweitens um Deutschland. Hier zwischen Napoleon und Vormärz entstand sie, die wehrhafte Zivilgesellschaft. Ungestraft durfte man am Schießstand anlegen auf Pappkameraden und sich vorstellen, es seien Fürsten und Franzosen. Hier zwischen Kimme und Korn verpuffte der revolutionäre Elan der Deutschen und wurde zusätzlich sonntags am Stammtisch noch ertränkt. Wo Deutschland schoss und soff, war es ganz bei sich. Dort fühlte es sich groß und stark und war (einer Vorliebe für Uniformen zum Trotz) mit sich und der deutschen Männlichkeit im Reinen. Andere störten da nur, Juden etwa. 1933 wurden sie des Schießstands verwiesen. Auch Muslime waren lange nicht willkommen. Noch vor zwei Jahren fragte sich Deutschland: Darf ein Sarazene Schützenkönig sein? Nicht doch, dachten viele Schützen. Nun stellt sich heraus: Selbst hier, am Schießstand, ist Deutschland nicht mehr, was es war. Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften gibt bekannt: Deutsche Schützen müssen nicht katholisch sein! Willkommen also, ihr Schwulen und Nichtchristen! Denn, so die Begründung: Auch Schützen dürfen nicht "päpstlicher sein als der Papst"! So weit ist es also gekommen: Die Ausschlussgemeinschaft ist zur Inklusionsklasse geworden. Ab jetzt wird auch hier scharf geschossen auf Chauvinisten … o Pardon! … auf Pappkameraden natürlich, auf Pappkameraden!