Ein sogenannter Frühlingstrend erreicht uns aus Amerika: die Hütte für die Frau. She-Shed, so heißen die hölzernen Gartenhäuschen, meist fertig gekauft im Baumarkt, die Frauen sich jetzt in den Garten stellen, als Refugium vor Ehe, Kindern und anderen Zumutungen.

Auf Instagram, wo Mädchen normalerweise stählerne Bauch-Beine-Po-Garnituren ausstellen, findet man also nun: Gartenstühle. Windlichter. Wehende Pastellvorhänge im Abendlicht. Und sogar Themenmodelle: die Hütte im Oriental Style, skandinavisch schlicht, amerikanisch bombastisch oder finnisch schratig.

Ein paar von ihnen sehen sogar ganz gemütlich aus. Vielleicht ist gerade das ein Problem. Denn der Tonfall, in dem der She-Schuppen von Werbung und Frauenzeitschriften gepriesen wird, ist der eines erleichterten Seufzers, mit dem man sich aufs Sofa fallen lässt. Endlich, so heißt es, habe die Frau auch ihren Raum. Auch – das soll heißen, im Aufholen zum Mann, dem alten haarigen Hobbykellermonster, der überhaupt erst angefangen hat mit dem Konzept des Reichs im Reich, der Emigration innerhalb des gemeinsamen Hauses. Nur dass es bei ihm dabei selten raus in die Natur, sondern eher hinab in den schimmeligen Unterbau ging.

Die man caves – all die Kellerräume, Garagen oder sonstigen dunklen Ecken des Hauses, in denen Männer schrauben, werkeln oder ungestört Bier trinken – haben mit den She-Sheds nun ihre Entsprechung gefunden. Doch nimmt man das Festival der Geschlechterklischees einmal ernst, das mit den Männerhöhlen und Frauenhütten verbunden ist, wollen Frauen in ihrer freien Zeit anscheinend kein neues Hobby pflegen, sondern wirklich nur eines: sich hinlegen.

Während beim Mann die ölige Werkbank, das schwere Gerät und all die vielen Schraubenschlüssel auf aktivistische Energien des Reparierens, Restaurierens und Selberbauens hinweisen, fällt beim She-Shed vor allem das Bett ins Auge. Wie ein externes Schlafzimmer mit integrierter Teeküche wirkt die Frauenhütte. Passive statt aktive "Me-Time" wird hier propagiert, der Buddha vor der Tür mahnt mit seinem entrückten Lächeln zur geistigen Sammlung.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 12 vom 16.3.2017.

Spiritualität also statt Spiritus – man könnte die groben Zuschreibungen von Weiblichkeit und Männlichkeit ewig weiterführen. Oder aber sich fragen, warum die Hütte für die Frau gerade jetzt Konjunktur hat. Ist das Gartenhaus der logische Schritt einer Gesellschaft, in der die arbeitende Frau zur Selbstverständlichkeit geworden ist? Müssen wir uns die klassische Schuppenbewohnerin als Pendant des Mannes vorstellen, der nach einem langen Tag nur mürrisch grüßt, sich ein Bier aus dem Kühlschrank holt und sich sofort wieder in seinen eigenen Bereich verzieht?

Die rosa Kuschel-Oasen auf Instagram sprechen eine andere Sprache. Statt der emanzipierten Frau weckt der Schuppen Assoziationen der restlos unterforderten Hausfrau, die dringend etwas gestalten möchte. Weil es einfach nicht mehr reicht, im Marathon aus Wäsche, Haushalt und Kindern zum Verschnaufen ein Knoppers auf der Sofakante zu essen, um gleich wieder aufzuspringen. Nun, davon berichtet diese Mode, gibt es auch schon vormittags, wenn die Kinder in der Schule sind, eine Exit-Option im strapaziösen Alltag. Und abends, wenn der Mann schlafend vorm Fernseher hängt, sowieso. Dann schleicht die Herrin des Häuschens in den Garten, um bei Kerzenschein mit einer Tasse Rooibos-Karamell-Tee in ihrer Hütte heimlich Shades of Grey zu lesen.

Oder tun wir der She-Shed am Ende doch unrecht? Weist der Frauenschuppen womöglich auf eine neuartige Form ehelicher Toleranz hin?

Schon Rainer Maria Rilke schwärmte von einer fortschrittlichen Form der Beziehung, die Mann und Frau mehr Räume lässt. Diese Liebe, schrieb er im Jahr 1904, werde sich "unendlich rücksichtsvoll und leise" vollziehen. Sie werde gut "in Binden und Lösen" sein und im Wesentlichen darin bestehen, "dass zwei Einsamkeiten einander schützen, grenzen und grüßen".

Grüßen – dafür braucht es Platz. Zum Beispiel den zwischen Gartenhaus und Garage. Ein wenig Abstand kann die Ehe retten, zwanzig Schritte reichen.