Von dem Schachenthusiasten Manfred Mädler stammt folgende Begebenheit: Ein Schachspieler gab ein Telegramm auf, in dem er stolz verkündete: "Schatz, ich habe den Schönheitspreis gewonnen!" Nachdem er das Postamt wieder verlassen hatte, sagte die Angestellte erstaunt zu ihrer Kollegin: "Ich möchte nur wissen, wie erst die anderen ausgesehen haben!" Wir lernen daraus: Ehedem wurden noch oft Telegramme aufgegeben und Schönheitspreise im Schach verliehen.

Da konnte sich Siegbert Tarrasch sehr aufregen, dass ihm nicht der Schönheitspreis für seine glänzende Kombination gegen Aaron Nimzowitsch verliehen worden war. Diesem wiederum behagte es nicht, dass er, der schier militante Nichtraucher, als Schönheitspreis einmal 5.000 Zigaretten bekam. Ungleich erfreuter war hingegen die junge Inderin Harika Dronavalli, als sie in Gibraltar nicht nur den ehemaligen Vize-Weltmeister Nigel Short mit einer herrlichen Kombination bezwungen hatte, sondern dafür obendrein den Schönheitspreis von 1.000 Pfund bekam. Doch Schönheitspreise gibt es heutzutage nur noch selten, so auch nicht kürzlich beim Schnellschachturnier der Münchner Schachakademie mit dem vielversprechenden Namen Beautiful Minds (siehe auch ZEITmagazin Nr. 8/17).

Ein heißer Kandidat wäre jedenfalls die Partie der Münchner Großmeister Michael Bezold und Stefan Kindermann gewesen, wenn Letzterer als Schwarzer eine fantastische (und äußerst schwer zu sehende) Gewinnkombination gefunden hätte. So wie Sie?!

Lösung aus Nr. 11:

Wie eroberte Weiß die schwarze Dame oder setzte gar matt?

Die Springergabel 1.Sf6+! gewann mindestens die Dame. Nach 1...gxf6 2.Dxh6 fxe5 3.Sg5 f6 4.Dxh7 war Schwarz gar matt. Auch 2...Kh8 3.Dxf6+ Kg8 4.Sg5 Dd7 5.Tc3 nebst Tg3 hätte zum Matt geführt