1. Wozu wandern?

Ich könnte jetzt lügen und behaupten, ich wandere, weil das so gesund ist. Kein Scherz – wer wandert, ist nahezu unsterblich: Schutz vor Alzheimer, verringertes Diabetes-Risiko, Stärkung des Immunsystems. Aber die Wahrheit ist: Wandern macht glücklich. Und mit dieser Ansicht bin ich nicht allein. Für eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums wurde das "geistige Wohlbefinden" von Menschen vor und nach einer Wanderung abgefragt. Hinterher hatte es sich verdoppelt. In einer anderen Untersuchung sagten 82 Prozent aller Wanderer: Nach einer Wanderung bin ich glücklich.

Welche Faktoren zu diesem Gefühl beitragen, ist gut erforscht: Menschen erleben Glücksmomente, wenn sie auf grüne Flächen schauen, denn Grün wirkt beruhigend. Auch gewundene, schmale Pfade werden weltweit als schön und beglückend erlebt: Der Mensch liebt die Abwechslung und das Geheimnisvolle (im Gegensatz zum bisweilen schmerzhaft eintönigen Alltag). Und wenn eine Wanderung immer wieder Blicke auf Seen, Bäche, Flüsse oder Wasserfälle ermöglicht, tanzen die Endorphine Pogo. Warum das so ist? Weil wir mit Wasser, so vermutet man, Urgewalt verbinden. Die Seele des Menschen ist eben nah am Wasser gebaut.

Angeblich soll Wandern außerdem schlau machen. Regelmäßige Bewegung führt jedenfalls zu besseren Schulnoten und regt die Gehirnaktivität an. Schon die antiken Philosophen philosophierten ausschließlich im Gehen.

Man kann aber natürlich auch einfach drauflosmarschieren, weil man neugierig ist, was hinter der nächsten Wegbiegung lauert.

Manuel Andrack

2. Was gehört in den Rucksack?

Bevor man sich um alles andere Gedanken macht: ein Müllbeutel. Am besten ein starker und reißfester. In den stopft man den Rest. Wenn alles drin ist, knotet man ihn oben zu, und schon hat man die beste Versicherung gegen dreitägigen Dauerregen, versehentliche Stürze in einen Gebirgsbach oder eine unerwartete Passage unter einem Wasserfall. (Lachen Sie nicht! Alles schon passiert!)

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 12 vom 16.3.2017.

Was sonst noch? Geschmacksache. Ein kleines Erste-Hilfe-Set sollte mit. Eine Taschenlampe. Ich habe auch immer eine dieser knisternden Rettungsfolien dabei. Die wiegen nix, halten aber tatsächlich warm, wenn man sich den Fuß verknackst und auf Hilfe warten muss.

Ansonsten nehme ich immer viel Essen mit, Nüsse, Riegel, solche Sachen. Ich finde, man sollte sich nicht kasteien, wenn man seinem Körper 30 Kilometer am Tag zumutet. Und einen Kinderschirm braucht man auch, so einen für 2,95 Euro aus dem Drogeriemarkt. Ich hasse es, drei Tage lang mit einer Regenjackenkapuze auf dem Kopf herumlaufen zu müssen, unter der man nichts hört, da ist ein Schirm wunderbar. Außerdem muss der Müllbeutel dann nicht alles retten.

Stefan Nink

3. Wandern Männer und Frauen unterschiedlich?

Der Mann wandert kraft seiner Waden, dick und behaart, Muskelmaschinen zur Bewältigung von Höhenmetern. Wie hoch ging es heute? Zur peniblen Ermittlung dient ihm eine komplizierte Armbanduhr, die das Auf und Ab am Berg dokumentiert, sodass er sich abends auf der Hütte angesichts seiner Werte zufrieden zurücklehnen kann: Das wäre geschafft!

Die Frau ist demgegenüber eher mal geschafft: Sie hat in ihrem Rucksack weder Kompass noch Klappmesser, aber trotzdem zu viel Zeugs. Dies ermöglicht es dem Mann, im rechten Moment das Gepäck der Frau zusätzlich zum eigenen zu übernehmen, heldenhaft auf die Brust geschnallt. So kann er sich stark fühlen und sie ein bisschen schmelzen. Das kann, für beide, ganz schön sein.