Frösche fressen alles, was in ihr Maul passt, und das kann unter Umständen ziemlich groß sein: Laufkäfer, Schnecken, Vögel, Mäuse und Ratten gehen da hinein. Vor allem tropische Exemplare sind Schwergewichte, quasi Riesenvarianten der zarteren heimischen Quaker, die gerade wieder aktiv werden. Der Chinesische Ochsenfrosch Hoplobatrachus rugulosus: 180 Gramm. Der Javafrosch Limnonectes macrodon: 270 Gramm.

Ihr Gewicht macht diese Tiere attraktiv für größere Räuber – und auch für den Menschen. Eine halbe Milliarde werden schätzungsweise jährlich gegessen. Eine Zahl, die so gigantisch ist, dass sie sich mit Haute Cuisine nicht erklären lässt. In vielen Ländern Afrikas, Südamerikas und Asiens stehen Frösche auf dem Speiseplan, manchmal seit Jahrhunderten, oft erst seit Kurzem, weil Proteine aus Fisch oder Wildfleisch nicht mehr genug Menschen satt machen.

Aber auch in Deutschland gibt es Abnehmer. Ökologen des Berliner Naturkundemuseums haben nun tiefgefrorenes Froschfleisch untersucht. Sie wollten wissen, ob die Angaben auf den Verpackungen stimmen. "Weltweit werden riesige Mengen gehandelt, und die Auswirkungen auf die Ökosysteme kennt niemand. Das wollten wir uns genauer anschauen", sagt der Biologe Mark-Oliver Rödel.

Rödels Mitarbeiterin Carolin Dittrich kaufte in Berliner Asia-Supermärkten kiloweise tiefgekühlte Froschschenkel ein, die laut Verpackung aus Vietnam und Indonesien stammten. Dann analysierte sie, ob die Tiere wirklich aus Farmen kamen oder ob sie in der Natur gelebt hatten. "Ich habe nicht erwartet, dass tatsächlich Frösche aus Aufzuchten dabei sind", sagt Dittrich.

Denn im Gegensatz zu manch anspruchslosen Aquakultur-Fischen sind Frösche nach der Verwandlung von der Kaulquappe zum erwachsenen Tier beim Futter wählerisch. Sie fressen nur, was zuckt. Zuchtfrösche brauchen Zeit, die richtigen Anlagen, Futter und die Erfahrung der Züchter. Für Wildfänge hingegen braucht es nur jemanden, der mit einem Sack durch Reisfelder zieht.

Doch "die Hälfte aller untersuchten Tiere wurde tatsächlich in Farmen gezüchtet", sagt Dittrich, "das hat uns überrascht." In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Ecology and Evolution schreiben sie und ihr Team, dass die vietnamesischen Produkte das etikettierte Versprechen, aus Zuchten zu stammen, einhalten konnten – die indonesischen nicht.

Nachweisen konnten sie das mit der sogenannten stabilen Isotopenanalyse – einer Methode, die aus der Forensik stammt, der Kriminaltechnik. Jedes Material auf der Erde besteht aus Atomen, die in unterschiedlichen Formen vorkommen, den sogenannten Isotopen. Und jede Biomasse verfügt über ein spezifisches Isotopenprofil. Wie ein Fingerabdruck verrät es eine Menge über Herkunft und Lebensbedingungen. Für ihre Analyse schauten sich die Biologen Stickstoff und Sauerstoff an. Stickstoffisotope geben Hinweise darauf, ob ein Frosch selbst gejagt hat oder ob er gefüttert wurde. Sauerstoffisotope hingegen geben Auskunft darüber, aus welcher Gegend er stammt.

Forensiker untersuchen mit dieser Methode etwa, woher Pflanzenreste an einem Tatort kommen. Sie analysieren Zahnschmelz von Skeletten, um zu bestimmen, wo jemand aufwuchs. Sie stellen fest, aus welcher Region Mütter von tot aufgefundenen Kindern stammen.

Heute ist die Isotopenanalyse auch in der Biologie etabliert. So untersucht etwa Mark Auliya vom Umweltforschungszentrum in Leipzig damit den Handel mit Netzphytons. Die Haut der Tiere wird zu Luxusgütern wie Handtaschen oder Gürteln verarbeitet. Nicht immer aber stammen die Tiere aus Farmen, wie es die Hersteller versprechen. Auliya will eine Referenzdatenbank aufbauen, um die Herkunft zweifelsfrei nachweisen zu können. Die Isotopenanalyse hilft mittlerweile aber auch dabei, wilde Wölfe von solchen aus Gefangenschaft zu unterscheiden. Auch wilden und gezüchteten Nerz auseinanderzuhalten ist dank der Fortschritte auf dem Gebiet möglich. Eine Probe vom Pelz reicht aus.

Und die Frösche? Europa ist nur ein kleiner Markt für Froschprodukte, trotzdem plädiert Carolin Dittrich vom Berliner Naturkundemuseum dafür, genauer hinzuschauen. "Der Export von wild gefangenen Fröschen kann in den Ökosystemen großen Schaden verursachen", sagt sie. "Europa müsste sicherstellen, dass tatsächlich nur noch Tiere aus Farmen importiert werden." Sich nur auf die Angaben des Herstellers verlassen – das muss man heute jedenfalls nicht mehr.