Der chronische Tinnitus ist eine schlimme Plage: Betroffene hören ständig ein nervendes Geräusch, meist einen Pfeifton. Unter älteren Menschen hören etwa 15 Prozent dauerhaft Geräusche, die eigentlich nicht da sind.

Es gibt zwar auch den "objektiven Tinnitus", bei dem tatsächlich Geräusche irgendwo im Körper entstehen, aber in der weitaus größten Zahl der Fälle existieren die Töne nur subjektiv. Die Patienten hören sie sogar dann noch, wenn der Hörnerv durchtrennt ist, also jegliche Verbindung zwischen dem Hörapparat und dem Gehirn gekappt ist. Der Tinnitus ist eine – wie auch immer verursachte – Aktivierung der Hörregionen im Gehirn. Und das heißt: Auch völlig gehörlose Menschen können darunter leiden.

Der Deutsche Gehörlosen-Bund hat im Dezember 2013 eine Online-Umfrage durchgeführt, an der 234 Betroffene teilnahmen – taube oder stark schwerhörige Menschen, die unter einem solchen lästigen chronischen Geräusch litten. Die Hälfte hatte schon einmal irgendeine Form von Tinnitus-Therapie ausprobiert, die überwiegende Mehrheit aber ohne Erfolg.

Vielen hörenden Tinnitus-Patienten geht es ähnlich. Zwar gibt es immer wieder Meldungen über neue Therapien, eine zuverlässig wirksame und gut belegte Standardbehandlung fehlt aber bisher. Am besten scheint immer noch eine kognitive Verhaltenstherapie zu helfen – dabei wird allerdings nicht der Tinnitus selbst verändert, sondern der Umgang des Patienten damit. Und alle Behandlungsmethoden, bei denen versucht wird, den Pfeifton durch ein Geräusch oder Musik zu "maskieren", sind bei Gehörlosen natürlich nicht anwendbar.

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