Ihr neues Album heißt "Mermaid Blues". Und man fragt sich: Hat Y’akoto, diese erfolgreiche Sängerin und Songwriterin, denn Grund, blue, also traurig zu sein? Und ist die 29-jährige Hamburgerin nicht eigentlich ein Soulstar? Im Gespräch wird deutlich: Der Blues, dieses Gemisch aus Leidenschaft, Hingabe, Zweifel und Krisen, gehört dazu, wenn Y’akoto ihre Stücke schreibt und erklärt, wie das geht – ein Leben als unabhängige Künstlerin.

DIE ZEIT: Y’akoto, wann haben Sie das erste Mal Geld mit Ihrer eigenen Musik verdient?

Y’akoto: Ich war etwa 25, glaube ich. Als Songwriter ist das ein schleichender Prozess. Man arbeitet sehr viel und kriegt die Ausschüttung erst Jahre später. Ich weiß aber noch, dass ich erleichtert war, als die ersten Konzerteinnahmen und eine Gema-Abrechnung kamen.

ZEIT: Wie sind Sie vorher durchgekommen?

Y’akoto: Ich habe immer gearbeitet, Tanzunterricht gegeben, in einer Bar ausgeholfen, in zahlreichen Projekten. Mir etwas zu leihen oder zu meinen Eltern zurückzugehen wäre für mich nicht infrage gekommen.

ZEIT: Warum nicht?

Y’akoto: Für meinen Wunsch, Musik zu machen, wurde ich von allen Seiten belächelt. An mich hat nie jemand geglaubt. Irgendwann habe ich es selbst nicht mehr geglaubt. Und dann hat es auf einmal geklappt.

ZEIT: Ihr Vater ist auch Musiker. Er hat Ihnen doch sicher die Richtung vorgegeben.

Y’akoto: Nein, auf keinen Fall. Meine Eltern hatten nicht die finanziellen Voraussetzungen. Sie haben nie gesagt: "Verfolg deine Träume, wir unterstützen dich." Ich habe einen ghanaischen Vater und eine deutsche Mutter, in Ghana bin ich aufgewachsen. Geld macht dort einen Unterschied zwischen Bildung und keiner Bildung, zwischen Gesund- und Kranksein, zwischen Leben und Sterben. Als ich mit zwölf nach Hamburg kam, sagte meine Mutter: "Es ist mir egal, wie viel Musik du machst, ich kann dich nicht unterstützen. Aber Abitur muss sein." Bei meinem Vater war es genauso.

ZEIT: Von Ghana nach Bergedorf – ein Sprung in eine andere Welt.

Y’akoto: In Deutschland hatte ich erstmals ein Gefühl der Unendlichkeit. Wir wohnten in Ghana in einer Mittelschichtsgegend unter gut situierten Menschen. Aber wenn in Ghana der Wassertank leer war, war er leer. Und plötzlich gab es unendlich viel Wasser. Bis heute bade ich nicht jeden Tag, weil es mich irritiert. Strom! Wenn man kochen will, muss man nicht warten, bis die Gasflasche aufgefüllt ist.

ZEIT: Was haben Sie aus Ghana mitgenommen?

Y’akoto: In Ghana half mein Vater einmal die Woche im Geschäft seiner Familie aus. Als Ältester von zehn Geschwistern wurde das vorausgesetzt. Genauso ist es für mich heute selbstverständlich, dass ich hilfsbedürftigen Familienmitgliedern helfe. Als Kind gehörten meine Spielsachen der ganzen Community, mein Fahrrad sind acht Leute gefahren. In Hamburg in der Schule wollte ich herumliegende Buntstifte benutzen und wurde von einem Mädchen angegiftet: "Das sind meine!" Sie hat sie mir weggenommen. Selbst Kinder haben hier einen ausgeprägten Besitzanspruch.

ZEIT: Wie haben Sie die Unterschiede überwunden?

Y’akoto: Mein Vater sagte immer: Du bist anders, und das ist gut so. Ohne ihn hätte ich es in Hamburg nicht geschafft. Und meine Mutter hat dann meine Talente gefördert, mir ein Klavier geholt, mich jeden Tag zum Tanzunterricht gebracht.