Bei der Bewirtung eines Kulturpublikums ist zu bedenken, dass es mitunter schon satt ist, an Eindrücken jedenfalls. Wer zum Beispiel gerade Martin Scorseses Epos Silence hinter sich hat, will nicht danach ein Gourmetmenü von gleicher Länge zelebrieren.

In diesem Sinn kann man die Beliebtheit des Abaton-Bistros verstehen. Es bildet mit dem Programmkino darunter eine glückliche und leider selten gewordene Symbiose, um die die Multiplexe sich vergeblich bemühen.

Seit fast zwanzig Jahren treffen sich hier Rothenbaumer, Studenten, bisweilen auch Künstler. Kein Ort zum Gesehenwerden nach dem Gesehenhaben. Eher ein großes Kaffeehaus mit erweitertem Sortiment.

Nach dreiwöchigem Umbau ist eine ungewohnte Eleganz eingezogen: mit gebleichtem Holz, Designerlampen und Wänden in Graublau. Geblieben sind die netten Kellner, die nicht mit der Wimper zucken, wenn man sich ein Gericht auf zwei Tellern anrichten oder die Beilagen austauschen lässt.

Die Küche ist das, was ein Stammgast aus dem Kollegenkreis "überraschungsfrei solide" nennt. Die Portionen sind beträchtlich, die Preise so bemessen, dass man unbekümmert einen ausgeben kann. Zum Konzept gehört offenbar auch, den Gästen keinen Stil aufzuzwingen, sondern querbeet das zu kochen, was gern gegessen wird, von sehr guter Weißwurst über Pizza bis Coq au vin.

Dass die Auswahl nach dem Umbau noch einmal erweitert wurde, ist aber vielleicht ein bisschen viel des Guten. Da passiert es schon mal, dass die Küche ihre Caprese-Quiche mit der Gemüsetarte verwechselt. Und so saftig der Backfisch mit grüner Soße auf den Tisch kommt: Es ist doch eher ein Bratfisch, dessen Panade einem Wiener Schnitzel besser stünde.

Fast alle Gerichte wirken hausbacken im guten Sinne: Sie schmecken nach ehrlichem Handwerk, nicht nach vorgefertigter Großmarktware. Ein bisschen mehr mit der Zeit gehen könnte man allerdings schon. Das Entrecôte-Steak sieht aus wie in einem Kochbuch von Max Inzinger – samt überbackener Tomate und einem absurd großen Klumpen Kräuterbutter. Dafür schmeckt zumindest das Fleisch. Gut gewürzte Moules frites lassen hoffen, dass die Küche bald wieder zu ihrer gewohnten Überraschungsfreiheit zurückfinden wird. Wer ein abendfüllendes Programm erwartet, geht trotzdem lieber ins Kino.

Abaton-Bistro, Grindelhof 14 a, Rotherbaum. Tel. 45 77 71, www.abaton-bistro.de. Geöffnet Montag bis Freitag 9.30 bis 1 Uhr, Samstag ab 12 Uhr, Sonntag von 12 bis 24 Uhr. Hauptgerichte um 11 Euro