Gespräch unter Freundinnen.

Sie: Ich hab heute Morgen beim Meditieren an dich gedacht.

Ich: Oha.

Sie: Ja, daran, was du mit deinem Leben anstellst. Welche Entscheidungen du so getroffen hast in letzter Zeit.

Ich: Männer.

Sie: Zum Beispiel.

Ich: Und was hast du herausgefunden?

Sie: Ich hatte eine Art Erleuchtung.

Ich: Mag ich ja sehr an dir, dass es nie so ein bisschen kleiner sein kann. Nicht Erkenntnis oder Idee, direkt: ERLEUCHTUNG.

Sie: Mach dich ruhig lustig. Jedenfalls habe ich darüber nachgedacht, wie ich dich sehe. Und wie ich die Typen sehe, mit denen du dich abgegeben hast in den letzten Jahren. Und ich finde, also, das klingt jetzt vielleicht etwas groß ...

Ich: Ach was.

Sie: Ich finde: Du beleidigst die Schöpfung.

Ich: Wow.

Sie: Ja, das ist, als würde sich ein Einhorn mit einem Ziegenbock oder einer Hyäne einlassen. Da würde die Natur auch ihr Veto einlegen.

Ich: Wir sind jetzt gerade bei Rassentrennung angekommen, ja?

Sie: Du weißt schon, wie ich das meine. Charakterlich, emotional, intellektuell.

Ich: Rassentrennung nach IQ-Punkten.

Sie: Du willst den Kern nicht verstehen.

Ich: Der Kern ist, dass ich ein Einhorn bin.

Sie: Genau.

Ich: Ein Fabelwesen mit einem Horn auf der Stirn. Das scheu ist und nur in Kinderbüchern oder schlechten Instagram-Fotos von Ritter-Sport-Deppen existiert?

Sie: Na ja.

Ich: Und das so ist wie das Christkind oder Nessi, eine Gestalt, die die Leute nicht im Wohnzimmer haben wollen, sondern nur wegen ihrer Unerreichbarkeit toll finden, ein Wesen, das man bloß im Vorbeihuschen erträgt.

Sie: So habe ich das gar nicht ...

Ich: Das wusste ich auch vorher schon, danke.

Sie: Aber Einhörner sind rosa.

Ich: Und Hyänen schlammbraun, aber immerhin Rudeltiere.

Sie: Tut mir leid.

Ich: Ist schon okay. Das mit der Schöpfung klang aber ganz gut. Das sag ich beim nächsten Mal, wenn mir jemand blöd kommt.