Das Gefährt sieht aus wie ein riesiges Insekt aus einem Science-Fiction-Thriller: vier mannshohe Zwillingsreifen, eine intensiv kirschrote Karosserie mit schwarzen Streifen und ein aggressives Gesicht, das vier Scheinwerfer an der schwarzen Front formen. Aber ein wichtiges Detail fehlt dem Monster, um es spontan als Traktor zu erkennen: der Bauern-Thron, die aufgesetzte Fahrerkabine.

Das mache aber nichts, erklärt Chefdesigner David Wilkie, der den Zwölftonner für den amerikanischen Landmaschinenhersteller Case IH geformt hat. Jüngst feierte das 400-PS-Kraftpaket aus Amerika seine Europapremiere auf der großen Landwirtschaftsmesse nahe Paris. Das Besondere: Der Traktor der Zukunft braucht keinen Fahrer mehr, er soll vollautomatisch und satellitengesteuert riesige Felder bearbeiten. Der Landwirt kann das Hightech-Gefährt drahtlos aus seinem Büro via Internet überwachen.

Das böse dreinblickende Monster soll Gutes tun, es soll die Landwirtschaft effizienter machen und dazu beitragen, die Ernährungsprobleme der Welt zu lösen, erklären die Vertreter der Muttergesellschaft CNH Industrial, die Nummer zwei im internationalen Landmaschinengeschäft ist. Precision farming, Präzisionslandwirtschaft, heißt das Konzept, bei dem die Digitalisierung die Feldarbeit revolutionieren soll.

Bei der Karosserie habe er sich vom Design der neuen Modelle von Alfa Romeo inspirieren lassen, sagt Wilkie. Das darf er, schließlich ist CNH mit seinen Traktoren, Mähdreschern, Baumaschinen und Lkw (Iveco, Magirus) die Schwester des Autobauers Fiat-Chrysler. Bei der Digitalisierung seien die Mähdrescher und Traktoren den Autos um Jahre voraus gewesen, sagt der Österreicher Ulrich Sommer, der für Case IH das precision farming in Europa vom steyrischen Sankt Valentin aus voranbringen soll. Schon seit Mitte der neunziger Jahre habe die Digitalisierung in der Feldbearbeitung Einzug gehalten. Lange bevor automatisierte Autos ihre ersten Testrunden auf der Straße absolvierten, hätten Mähdrescher mithilfe von Satellitensignalen riesige Mais- oder Weizenfelder effizient abgeerntet, sagt Sommer.

Landmaschinenlieferanten wie Case IH haben das System mittlerweile verfeinert. Mithilfe eigener Mobilfunkstationen werden die GPS-Satellitensignale korrigiert, sodass Mähdrescher oder Traktoren ihre Spur auf den Äckern und Feldern bis auf etwa vier Zentimeter genau einhalten können. Weil es dabei weniger Überlappung zwischen den Fahrten gibt und die Maschinen beim Einsatz jedes Mal exakt in der gleichen Spur fahren, wird die Verdichtung des Bodens durch die bis zu zwanzig Tonnen schweren Großtraktoren auf das Nötigste reduziert.

Um einen Acker oder ein Feld genau zu kartografieren, muss das Gebiet nur einmal abgefahren werden, die Daten werden dann in einer Cloud abgespeichert und können bei jedem Geräteeinsatz – Pflügen, Säen, Düngen, Ernten – abgerufen werden.

Doch so ein automatisierter Traktor allein bringe noch nicht viel, betont Sommer. "Richtig effizient wird es erst durch die Verknüpfung mit der Software der jeweiligen Anbaugeräte." Auch da kommt längst Hightech zum Einsatz. Mithilfe von Bodenproben oder durch Luftaufnahmen via Drohnen wird der jeweilige Bedarf berechnet. Der Traktor leitet die empfangenen Daten etwa an den angekoppelten Düngerstreuer weiter. Der kann dann exakt dosieren. Überdüngung war gestern. Ähnliche Vorteile bringt die Digitalisierung beim Spritzen, da werde genau dosiert, zugunsten von Landwirt und Umwelt. Genauigkeit ist auch bei der Aussaat gefragt, etwa wenn Kartoffeln in Reihen gesteckt werden. "Nur wenn die Kartoffel genau in die Mitte der aufgehäufelten Erde gesteckt wird, kann man Ernteverluste vermeiden", erläutert Sommer den Vorteil eines satelliten- und funkgesteuerten Traktors. Selbst das Bauchgefühl des fittesten Traktorfahrers könne mit der Präzision der Software nicht mithalten, glaubt er.