Die Bibel. Revidierte neue Einheitsübersetzung

Wer hat’s erfunden? Die Lutherbibel 2017 stahl ihr ein bisschen die Schau, als sie sechs Wochen danach, im Dezember 2016, erschien. Zu Unrecht, denn auch sie wagte eine mutige Änderung, die man so nicht erwartet hätte. Sie ist geschlechtergerechter geworden: Paulus richtet seine Rede nun an die Brüder und Schwestern. Eine Spitze gegenüber der evangelischen Rivalin konnten sich die Katholiken nicht verkneifen. Dass die Übersetzung genauer ist, ist ein Seitenhieb auf Luther, der mit den Quellen kreativ umging.

Das ist anders: Diese Bibel ist tatsächlich näher am griechischen Text. Auch zeigt sie Respekt vor der jüdischen Tradition, indem sie das Geheimnis des Gottesnamens im Judentum wahrt und nicht mehr von Jahwe spricht. Fast jede Bibelstelle klingt anders als bei Luther, moderner, schlanker, darin der Zürcher Bibel ähnlich.

Deshalb lohnt die Lektüre: Wer sich mehr für die Botschaft interessiert als für die Worte, in denen sie verkündet wird, sollte diese Bibel verwenden.

Warum diese Bibel schön ist: Sie verkörpert die Anmut des Praktikablen.

Was diese Bibel schwierig macht: Zuweilen versucht sie krampfhaft, nur nicht Luther zu kopieren, weil sie sich für älter hält. Ein wortklauberischer Streit, der die Ökumene nicht gerade fördert. Andreas Öhler

Katholisches Bibelwerk, 2016

Gerechtigkeitsbibel

Dieser Artikel stammt aus Christ & Welt, den Extraseiten der ZEIT für Glaube, Geist und Gesellschaft.

Wer hat’s erfunden? Die evangelikale Micha-Initiative ist eine internationale Kampagne, die sich für Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit in der Welt einsetzt, frei nach dem Propheten Micha, wie es auf der Homepage heißt: "Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: nichts anderes als dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott." (Micha 6,8)

Das ist anders: Diese Bibel ist bunt. Jeder Vers, der nur vage im Verdacht steht, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit in die Welt zu bringen, ist hervorgehoben in der Signalfarbe Orange. In der Heiligen Schrift, denkt da der linksalternative Kumbaya-my-Lord-Christ, geht es nur am Rande um Gott. Im Zentrum steht der Kampf gegen Ausbeutung, globalisierten Kapitalismus und individualistische Spalter, die sich die Freiheit herausnehmen, selbst die Teile farbig zu markieren, die ihnen wichtig sind.

Deshalb lohnt die Lektüre: Sie ermöglicht eine politisch korrekte Bibellektüre in weniger als drei Stunden.

Warum diese Bibel schön ist: Die Mischung aus Orange im Inneren und Grau auf dem Umschlag ist so klassisch-schick wie ein Hosenanzug von Angela Merkel.

Die schönste Stelle: Sicherlich die dick in Orange unterstrichene Warnung vor Klugscheißern und kapitalistischer Systempresse: "Hütet euch vor den Schriftgelehrten! Sie laufen gern in langen Gewändern herum und genießen es, wenn die Leute sie auf der Straße ehrfurchtsvoll grüßen." (Lukas 20,46) Raoul Löbbert

Die Gerechtigkeitsbibel ist im Brunnen- Verlag erschienen.

Wulfila-Bibel

Wer hat’s erfunden? Wulfila (Gotisch für "kleiner Wolf") war im 4. Jahrhundert Bischof der Goten in Mösien, einem Gebiet südlich der Donau im heutigen Nordbulgarien. Seine Übersetzung der Bibel ins Gotische gilt als ältestes schriftliches Zeugnis einer germanischen Sprache überhaupt.

Das ist anders: Für seine Übersetzung musste Wulfila erst einmal eine gotische Schrift erfinden. Diese besteht aus Runen sowie griechischen und römischen Buchstaben. Viele der Wörter der Wulfila-Bibel sind Neologismen: Wulfila musste sie erst erfinden, weil es für viele Begriffe im griechischen Ausgangstext bis dahin keine gotische Entsprechung gab. Zudem fehlen einige Teile der modernen Bibel in der Wulfila-Übersetzung, die Apostelgeschichte etwa.

Deshalb lohnt sich die Lektüre: Gegen Wulfilas archaische Version des Vaterunsers wirkt jede moderne Fassung des Gebets so fade wie alkoholfreies Bier gegen einen Humpen Met: "atta unsar þu ïn himinam/ weihnai namo þein/ qimai þiudinassus þeins/ wairþai wilja þeins/ swe ïn himina jah ana airþai/ hlaif unsarana þana sinteinan gif uns himma daga/ jah aflet uns þatei skulans sijaima/ swaswe jah weis afletam þaim skulam unsaraim/jah ni briggais uns ïn fraistubnjai/ ak lausei uns af þamma ubilin/ unte þeina ïst þiudangardi/ jah mahts jah wulþus ïn aiwins/ amen."

Warum diese Bibel schön ist: Die Wulfila-Bibel gibt es in verschiedenen Fassungen. Besonders schön: Der Text des Codex Argenteus steht in Gold und Silber auf purpurfarbenem Pergament.

Was diese Bibel schwierig macht: Natürlich die Sprache. Aber zum Glück bietet jedes gute mediävistische Seminar heutzutage Grundkurse in Gotisch an. Macht sich zudem gut im Lebenslauf. Raoul Löbbert

Der Codex Argenteus wird in der Universitätsbibliothek Carolina Rediviva in Uppsala, Schweden, aufbewahrt.