Was muss das für eine Enttäuschung sein für alle, die auf einen starken Mann gewartet hatten: Die Autoritären sind zurück – und es zeigt sich, sie sind nicht mehr als ein Haufen eingeschnappter Heulsusen.

In der Türkei regiert ein rotköpfiges Rumpelstilzchen, das Menschen bestrafen lässt, die Ayran beleidigen, sein Lieblingsgetränk. In den USA hat ein Mann die Macht übernommen, der behauptet, sein Vorgänger habe ihn durch eine Mikrowelle abgehört. In Polen fürchtet sich die rechte Regierung vor Radfahrern und Vegetariern. Und in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden gewinnen Parteien an Zuspruch, die sich von Journalisten verfolgt und von Denkverboten beschränkt sehen. Wobei man wirklich mal sagen muss: Niemand verbietet euch das Denken. Fangt doch einfach mal damit an.

Was würde Ernst Jünger über diesen Trupp sagen? Der Schriftsteller und Offizier, der einst die Weimarer Republik bekämpfte, als Denker der Konservativen Revolution, der jeden Morgen ein eiskaltes Bad nahm, um das Soldatische zu bewahren. "Elende Warmduscher!", würde er sagen. Denn, so schrieb Ernst Jünger mal: "Nicht wofür wir kämpfen, ist das Wesentliche, sondern wie wir kämpfen."

Was macht, zum Beispiel, Frauke Petry, nachdem sie in einem Interview gefordert hat, man solle an der Grenze notfalls auf Flüchtlinge schießen, und ihr dann, wie zu erwarten war, ein dicker Scheißesturm entgegenschlägt? Sie beklagt sich. Die Zeitung habe sie "verkürzt und sinnentstellt" wiedergegeben. Nicht mal zur eigenen Brutalität kann diese Frau stehen. Sie will um jeden Preis ein Opfer sein. Böse Medien. Gemeines Establishment. Fiese Systemparteien.

Klar: Es ist nicht so, dass man sich als Anhänger der liberalen Demokratie eine Rechte wünscht, die todesmutig marschiert. Aber man fragt sich schon, wie das auf irgendwen attraktiv wirken kann: diese herrschsüchtigen Figuren, zersetzt von Labilität und Wehleidigkeit.

Wo Ernst Jünger einst stoisch im Schützengraben lag, winden sich heute die Rechten in der Wutecke. In der Hauptstadt der Bewegung, der Jammer-Metropole Dresden, beklagt sich das graugesichtige Verbitterungsmilieu über fast alles: Rente, Flüchtlinge, Wetter. "Lerne leiden, ohne zu klagen", hieß es im alten Preußen. Die neuen Autoritären haben diese Maxime längst umgedreht: "Lerne klagen, ohne zu leiden."

Das verbindet die Pegidisten mit den Trumpisten, die Anhänger Erdoğans mit den Fans der AfD: Sie alle glauben, man würde sie unterdrücken und sie kämen andauernd zu kurz. Sie sind und bleiben Opfer, selbst wenn sie das mächtigste Amt der Welt ausüben wie Donald Trump. Sie sind nicht nur schlechte Verlierer, sie sind auch schlechte Gewinner.

Es scheint fast so, als seien sie süchtig nach dem Gefühl der Benachteiligung. Als wollten sie andauernd verletzt sein. Pegida behauptet, der Islam würde Europa unterdrücken. Erdoğan behauptet, Europa würde den Islam unterdrücken. Und Trump findet es sehr, sehr unfair, dass Vanity Fair die Fritten im Trump Grill nicht mag. Es ist der reinste Kindergarten.

Tayyip, du Wutknubbel. Frauke. Donald. Heult bitte leiser. Wenn ihr schon Unheil anrichten wollt, dann steht zu euren Taten. Ihr müsst ja nicht eiskalt baden wie Ernst Jünger.

Aber ein bisschen Haltung annehmen, das wäre schon gut.