Früher stellten Hochschulen einfach einen Forscher ein. Heute müssen sie auch noch Stellen für den Ehepartner schaffen. Ist das strategische Personalgewinnung oder Nepotismus?

Wenn Twitter ein Indikator für Integration ist, dann ist Shella Zaidi gut in Deutschland angekommen. Das Profilfoto der Kanadierin zeigt Bambergs Altstadt von oben, rote Ziegeldächer, Kirchtürme. Erst seit Kurzem lebt die 30-Jährige in Bayern. Ihr Mann, Geowissenschaftler, kam als Postdoc an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Vor dem Umzug war Zaidi sehr besorgt, wie es für sie weitergehen werde. Doch schon drei Wochen nach ihrer Ankunft konnte sie wieder in ihrem Beruf als Englischlehrerin arbeiten. Dass der Einstieg so reibungslos glückte, ist dem Dual Career Service an der FAU zu verdanken. Hier half man Zaidi bei der Bewerbung und schrieb ihr eine Liste möglicher Arbeitgeber. "Unglaublich", sagt Zaidi. "Ich habe die deutsche Effizienz kennengelernt."

Dass den Lebenspartnern von internationalen Nachwuchsforschern solch eine Unterstützung angeboten wird, ist weder Zufall noch Selbstlosigkeit. Wenn Universitäten auf der ganzen Welt nach den besten Köpfen suchen, reicht es nicht mehr aus, Professuren auszuschreiben oder Stipendien auszuloben. Man muss auch den Partnern eine berufliche Perspektive bieten.

"Dual Career" heißt die Idee, zweifache Karriere, sie entstand vor über zwanzig Jahren in den USA. Vor rund zehn Jahren gründeten sich die ersten Dual-Career-Büros an deutschen Hochschulen. "Damals hatten wir bereits mit der Abwanderung von Spitzenforschern ins Ausland zu kämpfen", sagt Kerstin Melzer, Sprecherin des Dual Career Netzwerks Deutschland (DCND). Heute gibt es in Deutschland rund 50 Büros, an jeder namhaften Universität. Wenn die deutschen Hochschulen schon nicht mit üppigen Gehältern locken können – Professoren verdienen ohne Zuschläge monatlich rund 6.000 Euro brutto –, dann wenigstens mit dem Versprechen eines guten Neustarts für die Familie.

Meist beraten die Dual-Career-Büros Frauen. Der Klassiker: Sie hat ihre Karriere lange der des Ehemanns untergeordnet und will nun einen Neuanfang. So wie Tatiana Fonin: Die 38-Jährige kommt aus Moskau, dort hat ihr Mann Physik studiert. Zickzack ging es für das Paar in den letzten Jahren durch Europa. Erst folgte er ihr nach Aachen, wo sie Betriebswirtschaft studierte. Dann folgte sie ihm nach Konstanz, wo er sich habilitierte. Fonin bekam zwei Kinder und legte eine sechsjährige Pause ein. Der Wiedereinstieg war mühsam. Über ein Jahr dauerte es, bis sie mithilfe des Dual Career Service etwas Passendes fand. Seit August arbeitet sie jetzt bei der Stadtverwaltung Konstanz.

Die Dual-Career-Zentren beraten im Schnitt zwischen 10 und 30 Klienten pro Jahr. An der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, wo Dual Career schon seit elf Jahren angeboten wird, sind es sogar rund 60. "Die Nachfrage hat in den letzten zwei Jahren extrem zugenommen", sagt der dortige Büroleiter Markus Miorandi. Manche Klienten holen sich nur einen Stapel Infomaterial ab, andere werden monatelang gecoacht und begleitet.

Je renommierter die Wissenschaftler sind, desto höher sind die Erwartungen. In jeder zweiten Verhandlung um die Berufung auf eine Professur kommt die berufliche Perspektive des Partners ausführlich zur Sprache. Der Ton der umworbenen Forscher wird dabei immer fordernder. Da muss es dann schon mal eine Lehrerstelle für die Ehefrau sein, aber pronto. Also schickt das Büro ein Empfehlungsschreiben an das zuständige Kultusministerium. Denn Berufungsverhandlungen können daran scheitern, dass das Dual-Career-Büro auf die Schnelle nichts aus dem Ärmel zu zaubern vermochte.