Sehr geehrter Herr Ronald Pofalla! Zu unserem Bedauern können wir Sie in dieser Kolumne nicht als neuen Bahnchef begrüßen. Bis zuletzt hatten wir Ihnen den Daumen gedrückt und Ihnen alles Gute gewünscht. Über die wahren Gründe Ihrer Nichtberufung wagen wir nicht zu spekulieren, doch vermutlich ist jener Sozialdemokratismus schuld, den ein Professor aus Stanford dieser Tage in der NZZ so wundervoll beschrieben hat. Sozialdemokratismus, schreibt er, ist die Herrschaft der Mittelmäßigen. Wenn der Mittelmäßige zwischen einer Kathedrale und einer Kuckucksuhr wählen darf, wählt er die Kuckucksuhr. Sie, Herr Pofalla, wählt er jedenfalls nicht.

Böse Zungen behaupten, als vielfliegender Seiteneinsteiger hätten Sie vom Zugfahren keine Ahnung. Nicht einmal eine Märklin-Eisenbahn mit Drehtrafo und dem TEE Rheingold bei eingleisigem Streckenverlauf im Tunnelbereich könnten Sie korrekt bedienen. Das ist falsch. In Wahrheit wissen Sie längst, dass die Bahn über unterschiedliche Zugtypen verfügt. Es gibt Regional-, Intercity- und ICE-Züge, und Koppelzüge gibt es auch. Diese haben sich sehr lieb und können gar nicht mehr voneinander lassen.

Die Benutzung eines DB-Zuges, lieber Herr Pofalla, ist total einfach. Suchen Sie sich ein Ziel aus, oder machen Sie Ihren Antrittsbesuch bei einer Lobbygruppe. Gern bucht Ihre Chefsekretärin für Sie eine günstige Verbindung. Nun müssen Sie am Bahnsteig nur noch auf das Eintreffen des Zuges warten. Sobald dieser zum Stehen gekommen ist, drücken Sie bitte den runden Knopf, und die Tür öffnet sich automatisch. Anschließend steigen Sie ein und suchen Ihren Platz. Die erste Klasse erkennen Sie übrigens daran, dass dort anspruchsvolle Zeitungen ungelesen herumliegen, während Boulevardzeitungen weggehen wie heiße Semmeln.

Es gibt auch eine zweite Klasse. Doch anders als von Ihnen vermutet dient sie nicht dazu, das Gepäck der Erste-Klasse-Kunden aufzunehmen. Sie dient vielmehr – wie die NZZ sagen würde – dem Transport von Minderleistern, die vom Sozialdemokratismus verdorben wurden.

Hier noch ein Tipp: Als Leistungsträger steht Ihnen an Bord ein Begrüßungs-Snack zu. Wir empfehlen das Top-Dog-Menü "Heinrich der Cherusker" mit schussfester Lende vom Schwein in laktosefreier Speck-Zwiebel-Schmelze. Ach so, Ihr Zug fällt wegen verspäteter Bereitstellung aus? Naturgemäß waren Sozialdemokraten am Werk – Leistungsverweigerer, die lieber ihr kleines Glück am Grill genießen, als einen großen Zug anständig zu reparieren. Ab mit denen aufs Abstellgleis. Ronald Pofalla, übernehmen Sie!

FINIS