Rollkoffer rauschen heran wie ferne Brandung. Obwohl noch im Halbschlaf, sage ich mir: Das müssen die Passagiere der Fünf-Uhr-Maschine nach Milano-Bergamo sein, die ersten Fluggäste des Tages. Ich liege an Gate 2 des Lennart-Meri-Airports in Tallinn. Hier habe ich die Nacht verbracht, die Ebbe sozusagen. Denn Flughäfen haben Gezeiten. So viel habe ich schon gelernt, in den ersten Stunden meiner Reise. Dann sind sie da. Rollkofferwellen branden um mich herum. Noch ein bisschen liegen bleiben. Dem Wellenschlag lauschen. Bis ich weitermuss, bis mich die Flut hier rausspült, mit meinem Weiterflug nach Reykjavík.

Ich liege hier an Gate 2, weil ich Flughäfen liebe. Schon die Geräuschkulisse: das Rollkofferschnurren über spiegelglatten Fliesen, die Gongs, die letzten Aufrufe. Den Moment, wenn sich eine der klassischen Anzeigentafeln aktualisiert und ihre Plättchen umblättern, wie wenn ein Wind darüberstreicht, während die Passagiere so gebannt hochblicken, als erführen sie jetzt erst, wohin das Schicksal sie bringt. Als würde Gott doch würfeln, und einen Wimpernschlag lang könnte man ihm dabei zusehen. Mich fasziniert diese eigentümliche Mischung aus Vorfreude und Abschiedsstimmung, aus Hektik und Langeweile, die das Airport-Leben ausmacht. Ich genieße es, Beobachter und Statist zugleich zu sein in dieser gigantischen Choreografie eingeübter Abläufe und Routinen, mit dem Personal in seinen Kostümen, den zu Touristen und zu Geschäftsleuten verkleideten Menschen und den Maschinen, die sich in Zeitlupe aus den Gates lösen.

"Ich trinke Sterne", soll mal jemand über Champagner gesagt haben. In mir funkelt und glitzert es, wenn ich an einem Flughafen bin. Er suggeriert mir die Möglichkeit, überallhin zu können. Und eigentlich möchte ich immer viel länger in seiner verheißungsvollen Blase bleiben, als es mein Flugplan erlaubt.

Im vergangenen Herbst stieß ich auf die Website Sleeping In Airports. Eine ehemalige Reisebüroangestellte hatte sie Ende der neunziger Jahre gegründet, um Leuten zu helfen, die am Flughafen gestrandet sind oder Geld für eine Übernachtung sparen möchten. Sleeping In Airports gibt zu fast allen Flughäfen weltweit nützliche Informationen: WLAN-Passwörter, wo man Geldautomaten findet, ob Duschmöglichkeiten vorhanden sind, wo Bänke ohne Armlehnen stehen und wie das Personal auf Schlafende reagiert. Nutzer schreiben Erfahrungsberichte, geben Tipps und bewerten Flughäfen. Jedes Jahr kürt die Seite die besten Airports – und die schlimmsten.

Die Seite brachte mich auf eine abenteuerliche Idee: eine Woche Ferien am Flughafen. Ich will mich von Airport zu Airport einmal um die Welt schlafen. Ein Mal will ich meiner Flughafenleidenschaft gnadenlos nachgeben.

Weil der Lennart-Meri-Airport in Tallinn laut Website zu den weltweit gemütlichsten zählt, ist er der erste Stopp auf meiner Route. Bin ja noch Schlafanfänger und kann einen sanften Start gut gebrauchen. Als ich ankomme, bin ich erst mal überrascht. Ist das ein Flughafen? Oder bin ich bei jemandem zu Hause gelandet? Die Gates scheinen sich verstecken zu wollen hinter Tüllvorhängen, zwischen Zimmerpflanzen und Sofas. Auf Parkett und Teppich schlendere ich – ein bisschen wie bei Ikea – von einer simulierten Wohnsituation in die nächste. Werfe einen Blick in die Bücherregale einer Tauschbibliothek, laufe an lilafarbenen, flauschig bezogenen Strandkörben vorbei und am Klettergerüst eines Kinderzimmers. In einer verlassenen Fernsehecke läuft – Bundesliga! Als wäre jemand kurz aufgestanden, um in der Küche Schnittchen zu machen. Ich fläze mich auf die Ledercouch, Wolfsburg gegen Bremen, in der 38. Minute steht es 1 : 2. Schnittchen kommen keine. Zur Halbzeit laufe ich weiter.

An Gate 2 finde ich die Sleeping-Pods, von denen auf Sleeping In Airports geschwärmt wird. Sie sehen aus wie eiförmige Särge, auf der weißen Verschalung steht "GoSleep". Kabinen, in denen man sich kostenlos ausruhen kann, während man auf seinen Flug wartet. Noch sind vier Pods frei. Aber wer weiß! Handtuch auswerfen? Ich widerstehe dem tief sitzenden Vorsorge-Impuls, der einem Deutschen auch im Urlaub keine Ruhe lässt, und schlendere zurück zum belebteren Teil des Tallinner Flughafens, mein Handgepäck auf dem Rücken, mehr habe ich nicht dabei. Die Orientierung fällt leicht: Mehr als dieser eine lange Gang, von dem die thematisch dekorierten Bereiche abgehen, ist der Flughafen nicht. Ein paar Shops, eine Bar, ein Restaurant. Schön, so ein kleiner Flughafen. Klar, dass er gute Karten hat, wenn es um die Wahl des "cosiest airport" geht. Frankfurt braucht da gar nicht erst anzutreten.

"No sleeping, camping or cooking"

Schlafen an Flughäfen muss man planen. Am besten gelingt es zwischen dem letzten Flug, der landet, und dem ersten Flug, der startet. Ich gucke auf den Gezeitenkalender: Alles klar, mit der 22.40-Uhr-Maschine nach Oslo hat die Ebbe eingesetzt. Kaum noch jemand hier. Ein Flughafen ganz für mich allein. Zähneputzen auf der Herrentoilette. Handgepäck unter der Liegefläche des Pods verstauen (er hat einen Kofferraum!). Handy in die Steckdose an der Sarginnenwand stöpseln, Rollo zuziehen. Wegdösen.

Auch wenn dieser zur WG verkleidete Flughafen nicht recht taugt für meinen Kick, seinen Zweck hat er erfüllt: Ich habe Gemütlichkeit getankt, bevor ich nach Reykjavík aufbreche. Dem dortigen Flughafen Keflavík eilt ein miserabler Ruf voraus: klein, chaotisch, mit Wachleuten, die potenzielle Übernachtungsgäste vom Einschlafen abhalten. Die Horrorberichte auf Sleeping in Airports machen allerdings auch neugierig.

"No sleeping, camping or cooking" lese ich bei meiner Ankunft gleich auf einem Schild. Eine Bar pumpt wuchtige Bässe und Vocoder-verzerrte Stimmen in den Abflugbereich. In Outdoor-Kleidung eingepackt, manövrieren hektische Passagiere ihre Gepäckwagen zu den Check-in-Schaltern. Müsste ich mich als DJ in den Vibe einfühlen, um den nächsten Tune auszuwählen, Anton aus Tirol würde mir in den Sinn kommen. Après-Ski-Stimmung, und das auch noch ohne die Urigkeit einer Hütte. Wofür brauchen die Schlafverbotsschilder? Hier kriegt man doch eh kein Auge zu. Ich lasse mich durch den bunten Strudel treiben, zahle gut 23 Euro für einen grünen Smoothie und eine kleine Lammsuppe. Klar, dass man bei solchen Preisen lieber den Campingkocher anwerfen und die Isomatte ausrollen würde.

Im 24-Stunden-Supermarkt lerne ich am Abend Léa und Côme aus Frankreich kennen. Wir kaufen Bier, trinken gegen das Neonlicht und den Gangsterrap an, die versuchen, uns wach zu halten. Côme erzählt, dass er mit BlaBlaCar über die Insel gereist ist; Léa war mit einem Mietwagen unterwegs und hat Côme aufgegabelt. Wir diskutieren über Liebe, offene Beziehungen und Low-Budget-Reisen. Darüber, ob man alt ist, wenn man anfängt zu sagen: "Nee, das machen wir nun wirklich nicht mehr: Am Flughafen schlafen – das ist doch am falschen Ende gespart."

Dann brechen wir gemeinsam auf, um an diesem unwirtlichen Flughafen, der offenbar niemanden an sich ranlassen will, eine Ecke zu finden, die einigermaßen als Schlafplatz taugt. Unter der Treppe zum Klo werden wir fündig, und ich leiste den beiden dabei Gesellschaft, wie sie am falschen Ende sparen. Vielleicht ist es die Würdelosigkeit des Ortes – jedenfalls scheinen die Wachleute Mitleid zu haben und lassen uns in Ruhe. Aber wirklich erholsam wird die Nacht nicht. Flughafenschlaf kann wie Katzenschlaf sein, lerne ich in Keflavík. Auch schlummernd bleibt man auf der Hut, sozusagen auf einem Auge wach.

Auf dem Weiterflug nach San Francisco erzählt mir mein Sitznachbar von seinen Lieblings-Airports: Tokio und München – wegen der Sake-Bar da, wegen des Brauhauses dort, und weil man an beiden Flughäfen so schnell durchgeschleust wird. Seltsame Kriterien, denke ich: Schnell rein und raus, und während man drin ist, so gut es geht betäuben. Klingt eher nach Flughafenvermeidung. Mein Nachbar gehört zu denen, für die ein Airport nur Transit ist: ungeliebte Schnittstelle zwischen Alltag und Urlaub, zwischen Arbeitsplatz und Meeting, ein Nicht-Ort.

In San Francisco kommt mir meine Airport-Obsession wieder ziemlich nerdig vor. SFO ist angelegt wie eine große Bucht, um die ringförmig viele kleine Buchten angelegt sind, über die man zu den Gates gelangt. Irgendein Architekturbüro hatte wahrscheinlich die Idee, die Bay Area in einen Flughafen zu übersetzen. Mich nervt es, in der Bay im Kreis zu laufen. Und mich nerven die kleinen Buchten, diese Sackgassenschläuche. Außerdem ist alles so gedrungen hier. Kaum hohe Decken. Erst wenn sie fehlen, merkt man es. Mein Hochgefühl braucht viel Raum, um sich entfalten zu können. Sterne hängen ja auch nicht unter der Zimmerdecke.

Der Flughafen ist viel kleiner und bei Weitem nicht so hip, wie ich ihn mir bei der Nachbarschaft zum Silicon Valley vorgestellt hatte. Tatsächlich macht er sogar einen heruntergewirtschafteten Eindruck. Auf einem krümeligen Teppich neben einem Bauzaun schlage ich mein Nachtlager auf.

Um halb drei wache ich auf, umflirrt von mexikanischem Spanisch. Bodenputzmaschinen tuckern an den Gates entlang. Auf dem Weg zur Toilette sehe ich eine Frau, die sich, in einem Sessel sitzend, ihre weiße Jacke verkehrt herum über den Oberkörper gezogen hat. Die Kapuze verdeckt das Gesicht. Eine Airport-Schläferin mit fortgeschrittener Technik? Als hätte sie sich in einen Kokon eingesponnen.

Die Nacht nimmt ein jähes Ende. Zunächst saugt ein Typ mit Mundschutz um mich herum. Dann erwacht die Baustelle zum Leben. Kräftige Hammerschläge zum Soundtrack von Classic Rock Radio, das einen Hit nach dem anderen in den frühen Morgen bläst. Als baue Amerika an seiner Zukunft mit dem Sound von gestern (Red Hot Chili Peppers) – vorgestern (Guns N’ Roses) – und vorvorgestern (Led Zeppelin). Draußen auf dem Rollfeld umhuschen Versorgungsfahrzeuge, klein wie Insekten, die dicken weißen Leiber der Airbusse und Boeings. In der Ferne sieht man fette Tanker auf der Bay schippern. Bei "Freshen Up", einem Duschladen zwischen Gepäckaufbewahrung und Sicherheitsschleuse, dusche ich für 25 Dollar, bevor ich weiterfliege.

Ein paar Zeitzonen weiter besuche ich einen alten Bekannten. Am Indira-Ghandi-Airport in Delhi bin ich vor vielen Jahren schon mal gewesen und erinnere mich dunkel an ein faszinierendes Durcheinander. Ich kämpfe mich durch einen Transitbereich, der wie ein Basar lärmt. Von allen Seiten funkeln mich Shops an. Eine Zwei-Mann-Band – einer am billig klingenden Elektro-Schlagzeug, einer mit Saiteninstrument – nimmt es mit der ohnehin schon dichten Soundkulisse auf.

Ankommen – was war das noch mal?

Dann biege ich um eine Ecke zu den Gates, und plötzlich schluckt ein Teppich jeden Schritt, jedes Rollkofferrattern. Als hätte ich mit dem Basar auch Samsara, den Kreislauf ewigen Leidens, hinter mir gelassen und sei nun im Nirwana gelandet, stehe ich plötzlich vor einem mannshohen kupferfarbenen Buddhakopf. Die Augen in Kontemplation geschlossen, wacht er über die Gates. Flammen umgeben ihn wie ein Heiligenschein. Auf einer Metalltafel wird die Symbolik erklärt: 24 Flammen, welche die Stunden eines Tages symbolisieren. Von hinten betrachtet, sähe die Skulptur aus "wie eine Flugzeugturbine, welche die Streitwagen der Lüfte mit ewig währender Kraft durch unsere Welt bewegt". Bis mein Streitwagen abhebt, vergehen noch fast so viele Stunden, wie der Turbinenbuddha Flammen hat: 23.

Mit der Buddha-Deko, dem etwas speckigen rotbraunen Teppichboden und den senfgelben Kunstlederliegen wirkt der Flughafen ein bisschen wie eine abgewohnte Wellness-Lounge. Aber schön ruhig ist es hier, fast zu ruhig. Irgendetwas fehlt. Die Ansagen. Sind die Lautsprecher kaputt? Der Inder auf der Liege neben mir klärt mich auf: Indira Gandhi sei ein "silent airport". Kaum zu fassen: Ein stiller Flughafen im Land des ewigen Hupens – Indien ohne Tonspur! Zwar geht ein wenig Flughafenfeeling verloren, aber die Ruhe tut gut.

Von meiner Liege aus beobachte ich die Leute im Starbucks gegenüber. Ein zerlumpter Backpacker im Tanktop, das eine seiner Brustwarzen freigibt, stellt sich an; eine weiße Frau mit geschorenem Kopf, in weinrote tibetische Mönchskluft gehüllt. Zwei Bayern, Vater und Tochter vielleicht, setzen sich mit Kaffee in meine Nähe und diskutieren über dessen Qualität. Ein indisches Elternpaar mit Tochter rückt das Logo der Tassen in den richtigen Winkel und macht stolz Selfies.

Während Stunde um Stunde vergeht, eine Flamme nach der anderen im Haarkranz des Buddhas abbrennt, scheint meine ganze Reise zu einem einzigen langen Tag am Flughafen zu verschmelzen. Ankommen – was war das noch mal? Als hätte der Buddha seine Turbine angeworfen und würde mein Raum-Zeit-Gefühl einsaugen. In acht Tagen zu sieben Flughäfen. 15.000 Meilen, jeder Airport nur ein langes Katzennickerchen vom nächsten entfernt. Vielleicht habe ich es zu weit getrieben mit meiner Obsession, denke ich noch, bevor ich irgendwann einschlafe.

Bis ins Nirwana komme ich nicht, nur bis zum "besten Flughafen der Welt". Singapur Changi führt seit Jahren das Rating auf Sleeping In Airports an. User berichten, dass sie gar nicht mehr wegwollten. Klingt vielversprechend: SIN, ein Flughafen, dem es gelingt, sogar Leute ohne Tick zum Bleiben zu verführen.

Von zwei Changi-Angels, Service-Mitarbeitern in purpurfarbenen Blazern, lasse ich mir ein Transit-Programm empfehlen. Über drei Terminals verteilen sich scheinbar endlose Möglichkeiten. Die Engel raten mir, die Changi-App herunterzuladen. Damit behalte man den Überblick. Eigentlich reicht es mir ja schon, glotzend an Flughäfen herumzuhängen wie ein Rentner am Fenster. Jetzt fühle ich mich zum Genuss verdonnert und schon fast gestresst.

Mit dem Skytrain rausche ich los, von einem Terminal zum nächsten. Ruhe mich an Karpfenteichen aus, werde in Sesseln am ganzen Körper massiert, schlafe in einem der beiden 24-Stunden-Kinos bei Die glorreichen Sieben ein und sitze eine Weile im Sonnenblumen-, dann im Orchideen-, dann im Kakteengarten. Lasse mich von Schmetterlingen umschwirren; streife an einer der Playstations des Entertainment-Decks als Han Solo durch Schneelandschaften und knalle Stormtrooper ab. Alles kostenlos.

Ein Flughafen für Hedonisten, denke ich, als ich erschöpft von Changis Verwöhnprogrammen abends meine Luftmatratze ausrolle. In der Ruhezone, wo ich übernachte, liegen noch etwa zwanzig andere, Kopf an Kopf mit mir ein spanisches Paar. Zwei hübsche Changi-Angels kommen mit einem Wagen voller Decken und Wasserflaschen angerollt, um die Airport-Sleeper zu versorgen. Dieser Flughafen denkt an alles. Dann kehrt langsam Ruhe ein. Nur der Kaffeehaus-Jazz, der schon den ganzen Tag jede Ecke des Flughafens beschallt hat, läuft weiter. Er wird die ganze Nacht zu hören sein. Auch die Flüge pausieren nicht. Changi scheint nur Flut zu kennen.

Am nächsten Morgen werde ich von Schnarchen und Pferdewiehern geweckt. Auf einem der Flatscreens, die hier hängen, läuft ein Western. Dazu vom Band: Carmen als verjazzte Piano-Version. Das spanische Pärchen schläft noch, Löffelchen-Stellung, ohne Matte, einfach auf dem Boden. Morgensonne fällt durch die Fenster, und ein zarter Klimaanlagenhauch streicht durch den Bambus.

Gähnend steige ich die Treppen hinauf zum balinesischen Rooftop-Pool an Gate D 30. Dort riecht es nach Frittiertem. Zusammen mit dem Chlorgeruch und dem Gequieke der Kinder, die im Wasser planschen, wähnt man sich im Freibad. Unten am Gate wird Kerosin getankt, hier oben Sonne: Dicke, rot verbrannte Leiber saugen sich mit Wärme voll, bevor es zurück in den Winter geht. Ich denke an das verschneite Rollfeld in Tallinn. Beide Flughäfen sind auf den ersten Blick ganz unterschiedliche Typen: Lennart ist der familiäre Kumpel, der einem den Arm um die Schulter legt. Changi ist die Geisha, die einem alle Wünsche erfüllt; selbst die, die man nie hatte. Aber letztlich sind beide aus dem gleichen Grund beliebt: weil sie die Leute vergessen lassen, dass sie am Flughafen sind. Die Airports verkleiden sich – als Wohnzimmer oder als Freibad.

Das kann Spaß machen. Mir verstellt es eher den Blick. Ich glaube, ich mag ehrliche Flughäfen. Die mir nicht vorgaukeln, jemand anders zu sein. Die sich nicht an mich heranwanzen, indem sie sich bis zur Selbstaufgabe künstlich aufbrezeln. Die ein Herz haben und mich auch mal bei sich pennen lassen. Ganz normale Flughäfen, auf denen es eher geschäftig zugeht als glamourös oder gemütlich.

Irgendwie bin ich erleichtert, das herauszufinden. Köln/Bonn liegt mir im Zweifelsfall näher als Singapur. Das hilft, um mich auf den Rückflug einzustimmen. Im Himmel über mir funkelt eine Maschine in der Sonne. Ich trockne mich ab und stecke meine nasse Badehose in einen Zip-Lock-Beutel, ich muss zum Gate.