Menno! Das ist so ungerecht! Da wird man Präsident der Vereinigten Staaten, zieht eigens um aus diesem maskulinen Turm in New York in dieses horizontal schlaffe Haus in Washington – und was ist der Dank? Erst stellt man fest, dass die Vorgänger im Amt sich von den Chinesen und den Deutschen haben betuppen lassen: Die verkaufen den Amerikanern viel mehr Waren, als sie ihnen abnehmen! Und dann kommt auch noch die deutsche Bundeskanzlerin (eine Frau!) zu Besuch und findet das gar nicht so "unfair".

Gut, dass es Twitter gibt. Eine Twitter-Nachricht verschafft Erleichterung. Also nimmt der Präsident der Vereinigten Staaten – ach, ist es schön, wenn der Druck nachlässt! – sein Mobiltelefon zur Hand und schreibt: "Deutschland schuldet der Nato hohe Geldsummen & die USA müssen für die mächtige und sehr teure Verteidigung, die sie Deutschland bereitstellen, mehr gezahlt bekommen."

So ist es vor einer Woche tatsächlich geschehen, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel US-Präsident Donald Trump besucht hatte.

Halten wir nun kurz inne und frieren dieses Bild des sich erleichternden US-Präsidenten ein, um eine fiktive Parallelwelt zu betreten. Stellen wir uns vor, die Bundeskanzlerin wäre ein wenig enthemmter, als sie das sonst so ist, und dass sie Twitter nutzte.

Auftritt der Kanzlerin: "Menno! Das ist so ungerecht! Trump bekommt den Hals nicht voll! Da verkaufen wir seinem Land deutsche Maschinen – und was bekommen wir dafür? Dollar-Scheine, die der Kerl einfach drucken lässt!" Die Kanzlerin stochert aufgeregt im Abendessen herum, spricht zu ihrem Mann: "Weißt du, was er dazu sagt? Er sagt: Unfair sei das, weil wir keine amerikanischen Autos kaufen!"

Gut, dass es Twitter gibt. Die Kanzlerin nimmt ihr Mobiltelefon zur Hand und schreibt: "Die USA drucken 100-Dollar-Noten für 12 Cent das Stück und kaufen damit Maschinen in Deutschland. Unfair!"

Der Aussage nach wäre eine solche Nachricht keinesfalls absurd. Tatsächlich kaufen die Amerikaner Autos in Deutschland und Kleidung in China mit Geld, das sie nahezu unbegrenzt drucken können, ohne dass es jemanden stört. Möglich ist das, weil der Dollar die Leitwährung der Welt ist. Keine Währung wird so viel genutzt für Käufe, Geschäfte und zur Wertaufbewahrung, auch außerhalb der USA.

In Trumps Lamento über "unfairen" Handel kommt dieses Privileg nicht vor. Doch lässt sich das Geld vom Handel nicht trennen. Die vielen Dollar kommen vornehmlich in die Welt und in die Depots, weil Amerikaner mehr im Ausland einkaufen, als sie dort verkaufen. Ohne Defizit beim Handel ist es schwierig, die Leitwährung bereitzustellen.