Lektion 1: Schenken ist rational

Vorsicht. Wenn Sie diesen Text lesen, dann laufen Sie Gefahr, eine Illusion zu entzaubern. Die Vorstellung nämlich, dass Schenken gänzlich uneigennützig ist und wir für andere dabei etwas opfern. Tatsächlich ist es ökonomisch sinnvoll, anderen etwas zu geben.

Bei Geschenken, die man seinen Kollegen oder Freunden macht, mag das plausibel erscheinen – es gibt schließlich genug Gelegenheiten für die andere Seite, sich zu revanchieren. Aber stellen Sie sich vor, Sie sind auf der Durchreise in einer fremden Stadt. Abends gehen Sie essen und geben dem Kellner ein Trinkgeld. Die meisten Leute verhalten sich so – obwohl es unnötig großzügig wirkt. Schließlich sieht man den Kellner wahrscheinlich nie wieder. Warum also nett sein?

Eine Antwort haben zwei Wissenschaftler in Kalifornien gefunden, am Zentrum für Evolutionäre Psychologie in Santa Barbara. Dort machten Andrew Delton und Max M. Krasnow vor einigen Jahren eine interessante Entdeckung. Sie testeten mit Computersimulationen, welches Sozialverhalten der Menschheit in der Evolution bessere Überlebenschancen garantiert hat: auch Fremden gegenüber mit Geschenken großzügig zu sein – oder ein wirtschaftlich berechnendes Kalkül zu wahren.

Die Psychologen simulierten Fragen, die sich Menschen im Laufe der Evolution immer wieder stellten: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich einen Menschen jemals wiedersehe? Und welche sozialen Nachteile werde ich möglicherweise in Kauf nehmen müssen, wenn ich sogar auf dessen Hilfsbereitschaft angewiesen sein werde? Und die Forscher fanden heraus: Freundlichkeit zahlte sich in der Evolution mehr aus als Geiz. Das prägt unser Sozialverhalten bis heute. Deshalb schenken wir.

Darüber hinaus bereitet es uns gute Gefühle, anderen etwas zu schenken. Die amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler James Konow und Joseph Earley fanden heraus, dass sich Menschen abends glücklicher schätzten, wenn sie anderen Personen etwas geschenkt hatten. Die Testpersonen waren sogar glücklicher als die Probanden, die sich – für einen gleich hohen Geldbetrag – etwas für sich selbst kaufen durften.

Lektion 2: Angemessen schenken

Aber Schenken bringt nichts, wenn man nicht richtig schenkt. Wer erfolgreich schenken will, muss Empathie entwickeln und sich mit den Vorlieben seines Gegenübers beschäftigen. Im besten Fall wählt er ein Geschenk aus, das dem anderen mehr wert ist, als es den Schenker gekostet hat. Nicht zuletzt deshalb haben selbst gebastelte Geschenke zurzeit wieder Hochkonjunktur.

Dieser Artikel stammt aus ZEIT GELD Nr. 14 vom 30.3.2017.

Und doch gibt es heute viele Situationen, in denen man guten Gewissens Geld schenken kann. Zur Hochzeit, zur Konfirmation oder zur Geburt zum Beispiel sind Geldgeschenke gängig und werden oft sogar erbeten – etwa um eine Hochzeitsreise zu finanzieren.

Aber wie viel schenkt man? Hier die Faustregel einer populären Hochzeitsseite im Internet: Die Höhe des Geldgeschenkes sollte sich nach dem Aufwand der Hochzeit richten. Der geschätzte Preis pro Person plus 30 Prozent. Das wären bei einer Hochzeit im Restaurant 50 bis 70 Euro für einen Gast allein und für ein Pärchen zusammen 100 Euro bis 150 Euro. Trauzeugen und Eltern können das Ganze getrost verdoppeln. Bei Konfirmation und Kommunion gilt heute, dass Gäste Jugendlichen etwa 25 Euro schenken, Kindern 10 bis 20 Euro – während die Paten und Großeltern bis zu 200 Euro lockermachen. Bei Geburtstagen werden Kindern etwa 25 Euro geschenkt. Oder eben Gutscheine.

Lektion 3: Gutscheine richtig einlösen

Wer das Zimmer seiner Kinder aufräumt oder in der Küche die Schublade ausmistet, findet fast immer alte Geschenkgutscheine, beiseitegelegt und vergessen. Aber keine Panik: Geschenkgutscheine, auf denen kein explizites Verfallsdatum steht, sind bis Ende des dritten Jahres nach Kauf gültig. Wer also zu Weihnachten 2016 einen Gutschein unterm Tannenbaum gefunden hat, kann ihn bis zum 31. Dezember 2019 einlösen – jedenfalls wenn kein anderes Datum genannt ist.

Der Einzelhandel formuliert hingegen oft seine eigenen Regeln und Fristen, die als Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) mitunter auf der Rückseite der Scheine aufgeführt sind. Diese Frist darf jedoch nicht zu kurz gewählt sein: Der Käufer oder Beschenkte muss ausreichend Zeit haben, den Gutschein einlösen zu können. Was angemessen ist, das entscheiden im Streitfall die Gerichte. Nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichtes München etwa benachteiligt eine Frist von einem Jahr den Verbraucher unangemessen. Geschenkgutscheine von Amazon.de sind sogar bis zum Ende des zehnten Jahres nach Kauf einlösbar. Restguthaben werden einem Konto gutgeschrieben und können bis zum zehnten Jahr für Käufe genutzt werden.

Was aber, wenn man einen Gutschein gar nicht einlösen will – etwa weil man keine Ayurveda-Wellness-Massage mit Kräuterextrakten bei Kerzenschein möchte? Dann kann man versuchen, ihn in bar auszahlen zu lassen. Einen Anspruch darauf hat man nicht. Es klappt eher, wenn der Händler die im Gutschein spezifizierte Ware oder Dienstleistung nicht mehr anbietet. Allerdings darf er einen gewissen Betrag für den entgangenen Gewinn aus dem Geschäft einbehalten. Und wenn er gar nicht mitspielt, dann kann man den Gutschein ja noch weitergeben oder verkaufen.