DIE ZEIT: Herr Hill, Sie haben mit Ihrem Freund Thorsten Kausch die Initiative "Haltung.Hamburg" gegründet. Was steckt dahinter?

Nikolas Hill: Es ist eine Plattform für ein Gefühl, das gerade sehr viele Menschen haben, die wir kennen: Die Werte, die wir vertreten und leben, geraten auf der Welt massiv unter Druck. Was lange selbstverständlich war, ist es nicht mehr. Toleranz, Offenheit, Diversität, dafür haben Menschen in diesem Land gekämpft, und wir wollen diese Haltung dort verteidigen, wo wir leben, in unserer Stadt.

ZEIT: Warum gerade jetzt?

Hill: Natürlich haben wir an den G20-Gipfel im Juli gedacht, als wir vor ein paar Wochen im Café saßen und die Idee entwickelten. Hamburg soll mehr sein als nur die Abspielfläche einer Tagung von Staatspräsidenten. Es kann doch nicht sein, dass die ganze Welt auf diese Stadt schaut und wir nichts tun!

ZEIT: Der Begriff Haltung ist sehr dehnbar. Was bedeutet er für Sie?

Hill: Haltung hat etwas damit zu tun, die freiheitlichen Werte unserer Demokratie zu vertreten. Vor allem aber muss sich eine Haltung äußern. Haltung im Stillen zu zeigen bringt nichts. Man muss nach außen gehen, sich engagieren, oder flapsig gesagt, den Hintern hochkriegen.

ZEIT: Das heißt?

Hill: Zum Beispiel sagt man öffentlich: Es kann nicht sein, dass in der Türkei Journalisten wie Deniz Yücel wochenlang im Gefängnis sitzen.

ZEIT: Diese Ansicht wird bereits flächendeckend artikuliert.

Hill: Ja, es gibt viele Organisationen, Vereine und Verbände in der Stadt, die Aktionen planen, aber sie haben nur ein eingeschränktes Netzwerk. Das kriegen nicht viele Menschen mit. Das wollen wir ändern, quasi mit einem gemeinsamen Dach. Aber ebenso können Einzelpersonen ihre Positionen bei uns formulieren.

ZEIT: Wie geht das konkret?

Hill: Einerseits auf unserer Homepage. Dort werden wir vernetzen und die Meinungen der Menschen präsentieren. Außerdem planen wir selber Aktionen. Zum Beispiel in Kooperation mit dem Klubhaus am Spielbudenplatz. Da gibt es diese illuminierte Fassade, die wir nutzen wollen. Man kann sich dafür einen Spruch ausdenken, zum Beispiel "Ohne Presse geit dat nich". Der wird dann dort groß gezeigt. Wir arbeiten auch mit anderen zusammen, mit dem Miniaturwunderland und fritz-kola.

ZEIT: Sie sind CDU-Mitglied, genau wie Thorsten Kausch. Ist das ganze eine verkappte Partei-Veranstaltung?

Hill: Gar nicht. Wir wollen nicht die CDU promoten, wir wollen die Bürger ermutigen, etwas zu tun, zu handeln, sichtbar zu werden. Unser Unterstützerkreis zeigt, dass die Idee nichts mit Parteipolitik zu tun hat. Da sitzen Menschen wie FAZ- Aufsichtsratchef Karl Dietrich Seikel, Pastorin Ulrike Murmann oder St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich drin. Die stehen für ein im besten Sinne bürgerliches Engagement.

ZEIT: Gibt es ein Erkennungszeichen von "Haltung.Hamburg"?

Hill: Ja, die Farbe Weiß. Sie steht für Frieden und Reinheit und ist das Gegenmodell zum schwarzen Block, der beim G20-Gipfel auftreten wird. Weiß ist auch im positiven Sinne politisch neutral und wurde bislang von keiner Partei gekapert.