Bilanzvorstellungen großer Unternehmen sind öde Rituale. Der Vorstandschef verliest ein Zahlenwerk, das, egal wie die Wirklichkeit aussieht, irgendwie gut klingt, Charts, Fragen, Häppchen. Selten Überraschungen. Bei der heutigen Bilanzpressekonferenz des Hafenkonzerns HHLA könnte das anders werden. Es ist der erste offizielle Auftritt der neuen Vorstandschefin Angela Titzrath, seit Anfang des Jahres die mächtigste Frau im Hafen.

Keiner der neuen Chefs in der Stadt wurde im Vorfeld so angefeindet wie die Managerin aus dem Ruhrgebiet. Typisch war der Spruch eines Aktionärs, der Titzrath empfahl, erst mal eine Hafenrundfahrt zu machen. Die Opposition lästerte über ihr hohes Gehalt, ein Hafenfachblatt titelte: Hamburgs teuerste Azubine. Gleichzeitig liegen auf keinem der Neuen so große Hoffnungen. Mehr als jedes andere Unternehmen steht die HHLA für das Wohlergehen des Hamburger Hafens.

Was also darf man von Angela Titzrath erwarten? Und welche der großen Probleme des Konzerns kann sie überhaupt lösen?

1. Ende des Containerbooms

1968 wurden am Hamburger Burchardkai die ersten Container verladen. Seitdem stieg ihre Zahl, weil immer mehr Ladung in die praktischen Stahlkisten gepackt wurde. Später profitierte Hamburg vom Fall des Eisernen Vorhangs, wurde zur Zwischenstation auf dem Weg gen Osten. Der Aufschwung Chinas tat ein Übriges. Allein von 1990 bis 2007 hat sich die Zahl der in Hamburg umgeschlagenen Container verfünffacht. Nach einem tiefen Einbruch in der Krise stagniert der Umschlag seit Jahren knapp unter der 10-Millionen-TEU-Marke.

Perspektive: Der große Boom ist vorbei. China wächst langsamer, Ostseehäfen werden direkt angefahren, und alles, was in einen Container passt, wird längst hineingepackt, von der Banane bis zum Wohnmobil. Schon in ihrer Abschiedsrede für den langjährigen HHLA-Containervorstand Stefan Behn sagte Titzrath, "dass die Zeit der stählernen Behälter endlich sein könnte". Die Neue will sich vor allem um eine Frage kümmern: Was kommt nach dem Container? Titzraths großes Thema wird die Digitalisierung sein. Wie sich damit nicht nur Effizienz, sondern auch weiteres Wachstum schaffen lässt, ist offen.

2. Zugang zum Hamburger Hafen

Fast jeder Prognose, die Vorstandschefs großer Hafenunternehmen derzeit wagen, fügen sie hinzu: vorausgesetzt, die Elbvertiefung kommt bald. Je länger Hamburg die Reedereien hinhält, desto wahrscheinlicher wird es, dass sie langfristig auf einen anderen Hafen setzen. Speziell für die HHLA kommt hinzu, dass die neusten Riesenfrachter ihr vollautomatisiertes Vorzeigeterminal in Altenwerder sowieso nicht erreichen können, weil die Köhlbrandbrücke zu niedrig ist.