Seit Urzeiten lieben Menschen das Holzfeuer. Sie lernten, es in Öfen und Kaminen zu zähmen. Und sie stellten schnell fest: Sein beißender Qualm muss raus aus dem Haus. Ihre frühe Form der Entsorgung hat sich bis heute gehalten – Abermillionen von Schornsteinen zeugen davon.

Holz als Heizstoff ist heute wieder populär. Weil der Ölpreis hoch ist und es die Gemütlichkeit fördert. Und Holz ist – nicht wahr? – ein nachwachsender und ökologisch sinnvoller Brennstoff. So denkt der Laie und heizt, dass die Schornsteine qualmen. Doch leider geraten mit zunehmender Popularität auch die zunehmenden Emissionen in den Blick. Und was da sichtbar wird, ist höchst unerfreulich. Das Umweltbundesamt zum Beispiel stellte Ende 2016 fest: "Die Feinstaub-Emissionen aus kleinen Holzfeuerungsanlagen übersteigen in Deutschland mit etwa 24.000 Tonnen mittlerweile die aus den Motoren von Lkw und Pkw." Und der Umweltspezialist Axel Friedrich, der als führender Kopf bei der Aufdeckung des Dieselskandals gilt, formuliert das Problem noch drastischer: "Holzfeuerung ist mittlerweile die Hauptquelle von Rußpartikeln in der EU. Sie ist für rund 60.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr verantwortlich."

Das müssten eigentlich alarmierende Botschaften sein. Doch diese Erkenntnisse haben sich in der ofenliebenden Bevölkerung noch nicht so recht herumgesprochen. Immerhin hat die Politik schon reagiert. Und dank der Immissionsschutzverordnung von 2010 geht es nun erst mal den übelsten Stinkern an den Kragen. Wenn es nach Recht und Gesetz geht, stehen Hunderttausende alter, schmutziger Öfen und Kamine aktuell vor dem Aus. Denn alle Geräte, die 33 oder mehr Jahre auf dem Buckel haben, sind bis Ende 2017 stillzulegen oder durch neue zu ersetzen. Konkret bedeutet das: In diesem Frühjahr wird eine gewaltige Menge an Öfen nicht nur bis zum nächsten Winter außer Betrieb genommen – sie erkalten für immer.

Das dürfte für Ärger sorgen. Und dabei markiert die Verordnung zur Entgiftung der "Einzelraumfeuerstätten" erst den Anfang. Demnächst werden auch neuere Geräte an strikteren Grenzwerten scheitern. Der Ofenfreund, so viel ist klar, muss umdenken und sich unbequemen Wahrheiten stellen.

Wie massiv unsere geliebten Öfen stinken, das verdeutlichen drei Beispiele. Die von der EU geförderte Initiative für saubere Wärme Clean Heat warnt auch vor neuen, als besonders umweltfreundlich ausgezeichneten Holzöfen. Ein solcher Ofen stößt etwa 25-mal so viel Feinstaub aus wie ein zehn Jahre alter Lastwagen ohne Partikelfilter.

Ferner hat eine Studie der Universität Aarhus Emissionen aus Holzheizungen und aus dem Verkehr in Kopenhagen verglichen. Dort produzieren knapp 17.000 Holzöfen während der Heizperiode so viel gefährlichen Feinstaub wie der komplette Straßenverkehr im gesamten Jahr.

Schließlich hat das Eidgenössische Bundesamt für Umwelt praxisnah erfasst, welche Schadstoffmengen beim Verfeuern von Erdgas, Heizöl und naturbelassenem Holz entstehen. Am saubersten ist Gas. Mit Öl heizen verdoppelt die Produktion von Stickoxiden und Feinstaub. Holzbrand im Ofen oder Cheminée dagegen steigert die Emission von Kohlenmonoxid (CO) mehr als hundertfach. Dramatisch wird es beim Partikelausstoß: Den Holzofen verlässt im Vergleich zum Gaskessel tausendmal so viel Feinstaub.

Holz im Ofen zu verbrennen ist tausendmal so dreckig wie Gas im Kessel zu verfeuern.

Ein Trend könnte Umweltschützer beruhigen: Der gemessene Gesamtausstoß an Feinstaub ist seit Jahren rückläufig. Doch seltsamerweise zeigt sich bei der Gesundheit der Bevölkerung keine entsprechende Besserung. Trotz besserer Abgasreinigung vor allem in der Industrie und im Verkehr bringt Feinstaub in der EU pro Jahr etwa 400.000 Menschen vorzeitig ins Grab. Im Durchschnitt raubt er laut WHO jedem Opfer etwa zehn Lebensjahre; chronische Krankheiten gehen meist voraus.

Es ist wichtig, diese Kluft zwischen Messdaten und Sterberaten zu verstehen. Sie beruht teils auf Veränderungen bei den Emissionsquellen. Dieselruß zum Beispiel nimmt ab, Rußfilter im Dieselauspuff sind ja längst Pflicht – im Ofenrohr dagegen nicht. Es gibt aber insbesondere grundsätzliche Schwächen bei den offiziellen Feinstaubmessungen: Die Feinstaubbelastung wird zu grob und zu undifferenziert analysiert.

Das Gefährdungspotenzial von Feinstäuben liegt zum einen in ihrer Chemie. Die Winzlinge sind in unterschiedlichem Maße gefährlich. So sind feine Meerwassertröpfchen oder Salzpartikel harmlos. Enthalten Partikel jedoch Säuren, Dioxine, Teer, Benzpyrene oder Ruß – alles zu finden im Holzrauch –, dann wird’s brenzlig.