Honorarprofessuren gehen fast immer an Männer – warum die Universitäten klarere Regeln zur Vergabe der Ehrentitel brauchen.

Während der Doktortitel nach einigen Betrugsaffären Kratzer bekommen hat, glänzt der Professor (gelegentlich auch die Professorin) noch durch Autorität, Intellekt und Wissenschaftlichkeit. Kein Wunder, dass der Titel begehrt ist. Normalerweise bekommt man ihn nur nach einer Ochsentour durch die Universitäten. Doch es gibt einen einfacheren Weg: die Honorarprofessur, wobei die Betonung auf Professur liegt, nicht auf Honorar. Wenn es überhaupt Geld für diesen Posten gibt, ist es nicht viel mehr als eine Aufwandsentschädigung. Die Honorarprofessoren sollen die hauptamtlichen Dozenten bei der Lehre unterstützen, sie bringen als Rechtsanwälte, Unternehmer, Politiker oder Künstler Berufspraxis in die theoretische Welt der Hörsäle und Seminarräume.

Es ist also ein Tauschgeschäft: Lehre gegen Titel. Ein interessantes Geschäft, zumal seit ein paar Jahren die Ehrenamtlichen offiziell "Professor" ohne den Zusatz "Hon." auf ihre Visitenkarte schreiben dürfen. "Das weckt Begehrlichkeiten", sagt Stefan Hornbostel, der das Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung in Berlin leitet. Allerdings schmücken sich nicht nur die Honorarprofessoren gerne mit den höchsten akademischen Weihen. Auch die Hochschulen wollen mit prominenten und einflussreichen Namen glänzen. Die Goethe-Universität Frankfurt etwa mit Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Die TU München holt sich gerne Konzernbosse wie Linde-Chef Wolfgang Reitzle oder Randolf Rodenstock.

Alles Männer – und das ist Prinzip, auch bei den weniger prominenten Honorarprofessuren. Unter den 1.714, die es laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2015 gab, waren gerade einmal 179 Frauen. 10 Prozent also – das ist weniger als die Quote der hauptamtlichen Professorinnen, die je nach Hochschule zwischen 20 und 40 Prozent liegt. Besonders schlecht schneiden Baden-Württemberg und Bayern ab, wo nur jeder 20. Ehrentitel an eine Frau verliehen wird.

Warum die Unis so wenige Honorarprofessorinnen berufen? "Es hat noch niemand untersucht", sagt Isabell Welpe, Professorin für Organisation und Strategie an der TU München (TUM). Viele der Ehrenamtlichen lehrten an der Juristischen Fakultät, versucht die Augsburger Uni-Präsidentin Sabine Doering-Manteuffel zu erklären, unter den Rechtsanwälten seien nun einmal mehr Männer. Wolfgang Herrmann, Präsident der TUM, führt das Ungleichgewicht auf einen zu kleinen Pool von weiblichen Führungskräften zurück. Möglicherweise aber werden Frauen aus Unternehmen, Politik oder Medien seltener oder gar nicht gefragt.

Klar, Männer holen gerne und eher Männer in ihre Riegen. Und anders als so manche Frau scheuen sich viele Männer auch nicht, offensiv nach dem begehrten Titel zu fragen. Auch wenn einzelne Hochschulen wie die TUM klare Regeln für die Berufung von Honorarprofessoren definieren, so läuft es woanders eher unter "Gefälligkeit". Die Regeln seien vielerorts aufgeweicht, kritisiert Stefan Hornbostel. Ob hinter der Honorarprofessur ehrliche Arbeit oder Beziehungen stecken – in jedem Fall bringt der Titel Pluspunkte: "Er wird im Lebenslauf als Kompetenzsignal gewertet – und das spielt eine wichtige Rolle bei der Auswahl und Beurteilung von Führungskräften", sagt Betriebswirtschaftlerin Isabell Welpe.

Immerhin: TUM-Präsident Herrmann will aufgrund einer Recherche des Bayerischen Rundfunks und der ZEIT jetzt handeln. Er überlege sich, eine Initiative für mehr Honorarprofessorinnen zu starten.

ZEIT und Bayerischer Rundfunk kooperieren unter dem Titel "Die Bildungsrecherche". Mehr zu Honorarprofessuren gibt es in dieser Woche im Radio zu hören.