Wann immer eine Hetzpredigt in deutschen Moscheen Schlagzeilen macht, stört mich, dass wir nur über den Einzelfall sprechen. Ist er die Ausnahme? Oder das Übliche? Ich weiß: Es gibt nicht "den" Islam oder "die" Muslime. Um Antworten zu finden, besuchte ich über acht Monate hinweg Freitagspredigten in deutschen Moscheen.

Ich spreche Arabisch, trotzdem habe ich mir Übersetzer gesucht. Allein die Tatsache, dass ich mich für dieses Thema interessierte, brachte mir bei allen Anfragen den direkten Vorwurf ein, ich wolle nur "Islambashing" betreiben. Über Monate ließen islamwissenschaftliche Fakultäten und Islamwissenschaftler, die sonst bereitwillig Auskunft geben, meine Anrufe und E-Mails unbeantwortet.

Woher kommen Prediger und Predigten? In Ländern wie Saudi-Arabien, Algerien oder Marokko legen Ministerien für religiöse Angelegenheiten Predigtthemen fest. In der Türkei tut dies das Amt für religiöse Angelegenheiten (Diyanet), zuständig für etwa 80.000 Moscheen in der Türkei und 1.800 im Ausland. Diyanet entsendet Imame auch nach Deutschland. Wo in Moscheen extremistisches Gedankengut verbreitet wird, so teilte mir der Verfassungsschutz mit, dürfe er nicht auflisten.

Nach meinen Anfragen an die Landesinnenministerien, das Bundesinnenministerium, die Innenministerkonferenz und den Zentralverband der Muslime in Deutschland stellte ich fest, es gibt kein Moscheeverzeichnis. Beim Bundesinnenministerium bat man mich, Bescheid zu geben, wenn ich eine genaue Zahl fände. Behörden verweisen zwar gern auf die Website moscheesuche.de, sie listete im Februar 180 Minarette und 2.284 Moscheen. Ich stieß jedoch bei meiner Recherche vor Ort auf Moscheen, die eingetragen waren, aber längst nicht mehr existierten, und auf neue, von denen weder die Website noch der Verfassungsschutz wussten.

Von meinen Moscheen lagen vier in Wohnhäusern, vier in Industriegebäuden, vier in eigens errichteten Bauten. Ich war nie undercover dort, denn ich bin Journalist und kein Ermittler. Positiv überrascht hat mich die Offenheit der Verantwortlichen und der Besucher. Es war immer vollkommen in Ordnung, dass ich da war.

Der Bertelsmann-Religionsmonitor sagt über Muslime in Deutschland: "Ihre Einstellungen orientieren sich stark an den Grundwerten der Bundesrepublik wie Demokratie und Pluralität." Die Autorin der Studie, Yasemin el-Menouar, schreibt, für Muslime sei Deutschland inzwischen Heimat. Für die Moscheen muss ich sagen: Das stimmt nicht. Abgrenzung und die Bewahrung der eigenen Identität gegen deutsche Einflüsse sind zentrale Botschaften. Von den Imamen, mit denen ich sprach, konnte nur ein einziger wirklich Deutsch. Muslime wurden als Schicksalsgemeinschaft angesprochen: "Wir sind eine Diaspora!" Am Tag vor Heiligabend warnt der Prediger schon mal vor der "Weihnachtsgefahr".

Obwohl der Religionsmonitor behauptet, es gingen kaum junge Menschen in Moscheen, waren alle meine Freitagspredigten von Jugendlichen überlaufen. Zugleich fielen mir viele Flüchtlinge auf. Niemand predigte jedoch Integration. Wenn über "unsere Nation", "unser Land" gesprochen wurde, war nie Deutschland gemeint. Mein Fazit: Konkrete Aufrufe zur Gewalt oder eine Verherrlichung des Dschihad habe ich nicht erlebt. Trotzdem war ich ernüchtert. Ich würde hier gern ein positives Beispiel anführen, eine Predigt der Weltoffenheit. Das gibt meine Recherche nicht her.