Im März besuchte der israelische Premier Benjamin Netanjahu den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau. Wieder einmal. Es war die vierte Visite seit Herbst 2015. Dazu kamen viele Telefonate. Den US-Präsidenten hat Netanjahu in dieser Zeit nur ein Mal besucht. Warum fährt er so oft zu Putin?

Israel und Russland sind unwahrscheinliche Freunde. Die russische Regierung hilft dem syrischen Regime von Diktator Baschar al-Assad und damit auch der mit ihm verbündeten Hisbollah-Miliz. Beide sind entschlossene Gegner Israels. Vergangene Woche erst beschossen israelische Kampfflugzeuge Stellungen und Transporte der Hisbollah in Syrien. Da protestierte zuerst Damaskus, dann auch Moskau. Der israelische Botschafter wurde ins russische Außenministerium zitiert.

Was Israel und Russland bei dieser und vielen anderen Gelegenheiten zusammenbringt, ist paradoxerweise der Iran – Israels schlimmster Feind, Russlands schwieriger Freund. Als Netanjahu im März bei Putin war, besuchten iranische Marinesoldaten gerade ihre russischen Kollegen am Kaspischen Meer. Von dem Binnenmeer aus beschossen die Russen 2015 auch Stellungen in Syrien mit Marschflugkörpern. Diese flogen quer über iranisches Territorium, was nur mit Genehmigung aus Teheran geht.

Der Iran und Russland arbeiten in Syrien eng zusammen. Die Russen lassen ihre Bomber fliegen; Milizen unter iranischem Befehl erobern am Boden Stadt um Stadt von den Rebellen zurück. Der größte Preis war Aleppo im vergangenen Herbst. Seit dem Atomabkommen mit dem Iran 2015 liefert Russland auch wieder mehr Waffen an die iranische Armee. Besonders ärgerlich für Israel war der Verkauf von modernen russischen S-300-Bodenluftraketen. Die können sogar israelischen Hightech-Jets gefährlich werden.

Wenn Netanjahu nach Moskau fährt, kennt Putin also schon dessen Sorgenliste: Der Iran bekomme zu viele Waffen, der Iran besetze Syrien und baue sich Militärbasen, der Iran wolle einen Hafen an der Mittelmeerküste, der Iran rüste Hisbollah gegen Israel auf. Das bekommen die Israelis in der Tat zu spüren. Hisbollah steht mit mehreren Tausend Kämpfern in Syrien und nähert sich regelmäßig den von Israel gehaltenen Golanhöhen. Dann steigen israelische Kampfflugzeuge auf, um sie zu bombardieren.

An dem Punkt wird es brandgefährlich, und man beginnt, Netanjahus Reisewut nach Moskau zu verstehen. Mit Putin hat er einen Schweigepakt geschlossen: Wenn Israel Hisbollah angriff, gaben die Russen keinen Laut von sich. Wenn die Russen bei ihren Kampfflügen israelischen Luftraum verletzten, schwiegen die Israelis. Zwischen Damaskus und der israelischen Grenze liegen nur fünfzig Kilometer. Was passieren könnte, zeigt ein Zwischenfall vom November 2015. Damals schossen die Türken ein russisches Kampfflugzeug ab und lösten eine Blitz-Eiszeit zwischen Ankara und Moskau aus. Das will Netanjahu vermeiden. Israelische und russische Militärs informieren sich regelmäßig über ihre Flüge. Israels Regierung schluckt auch die russischen Waffenlieferungen an den Iran, protestiert aber laut, sobald die Europäer auch nur erwägen, Bohrmaschinen an den Iran zu liefern. Putin genießt eine Vorzugsbehandlung. Und das hat Gründe.