Sobald ich meine ec-Karte in einen Geldautomaten schiebe, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Ich bin Kundin bei einer großen Bank, die Geschäfte finanziert, über die ich mich aufrege: Waffenhandel, Atomkraft, Spekulation mit Lebensmitteln. Blöd nur, dass ich das vergesse, sobald ich die Karte zurück ins Portemonnaie stecke.

Mir ist nicht egal, was mit meinem Geld passiert. Aber ich schaffe es nicht, meine Bank zu wechseln. Und da bin ich nicht allein: Laut einer Umfrage der comdirect erwägen knapp 60 Prozent der Deutschen, sich eine neue Bank zu suchen. Weil ihnen die Gebühren zu hoch sind, ihnen der Service nicht gefällt oder weil es sie stört, wohin ihr Geld fließt. Trotzdem haben drei Viertel der Kunden noch nie ihre Bank gewechselt. Mir gehen allerdings langsam die Ausreden aus: Seit vergangenem November soll ein Gesetz den Kontowechsel ganz leicht machen.

Ein Glas Orangensaft und eine kostenlose Kreditkarte reichten vor zehn Jahren, um mich von meinem Konto zu überzeugen. Heute will ich eine Bank, die zu mir passt. Ich google "Konto wechseln" und bekomme 2.210.000 Ergebnisse. Mehr Orientierung gibt mir die Verbraucherzentrale Hamburg, per Telefon. Zuerst stellt mir die Mitarbeiterin aber Fragen: Machen Sie Überweisungen handschriftlich oder online? Welche Automaten gibt es in Ihrer Nähe? Wie intensiv nutzen Sie Ihr Konto? "Welche Bank zu einem passt, ist leider total individuell", sagt sie. Grundsätzlich gelte: Onlinebanken seien günstiger als Filialbanken. Doch das billigste Konto nütze nichts ohne Automat in Laufweite. Zudem steckten in günstigen Angeboten oft weitere Kosten wie Überweisungsgebühren oder hohe Dispozinsen. Bevor wir auflegen, gibt sie mir einen Tipp: Beim Vergleichen könne das Portal biallo.de helfen, das sei unabhängig. Doch was die Banken mit meinem Geld anstellen, spielt dort in der Bewertung leider keine Rolle.

Dieser Artikel stammt aus ZEIT GELD Nr. 14 vom 30.3.2017.

Ein paar Wochen später schlendere ich durch eine Halle am Hamburger Hafen. Verkäufer preisen veganen Schimmelkäse, Eheringe aus fair gehandeltem Gold und wiederverwendbare Tampons an. Ich bin auf dem "Heldenmarkt", einer Messe für nachhaltige Produkte. An einem Stand informiert der gemeinnützige Verein Urgewald über ethische Geldanlagen. "Für ein Girokonto bleiben nur drei Banken übrig", sagt der Mitarbeiter: "die Ethikbank, Triodos und die GLS". Zu Hause klicke ich mich durch ihre Websites, alle drei haben gute Konditionen. Bei der Wahl helfen die Tipps der Verbraucherschützerin: Das GLS-Konto ist zwar das teuerste, im Monat kostet es mich knapp zehn Euro mit allen Gebühren – mehr, als ich bisher zahle. Dafür kann ich in Volks- und Raiffeisenbanken kostenlos abheben, habe keine Dispozinsen, und die Onlinebank hat sogar eine Filiale in Hamburg. Ich klicke auf "Jetzt GLS-Konto eröffnen".

Ob der Dauerauftrag für die Miete oder die Lastschrift für den Handyvertrag: Auf meinem Konto läuft fast alles automatisch. Das ist der Grund, warum ich mich vor dem Kontowechsel gedrückt habe. So wie 70 Prozent der Bankkunden schien er mir zu aufwendig. Mit dem neuen Zahlungskontengesetz sollen die Banken den Wechsel nun unter sich regeln, ganz ohne mein Zutun. So jedenfalls die Theorie.

Ein paar Tage nachdem ich das Konto eröffnet habe, schickt mir die GLS eine E-Mail mit einem Link zum "Kontowechselservice". Auf einer Webseite soll ich eintragen, wem die Bank meine neuen Kontodaten schicken soll. Überrascht rufe ich beim Kundenservice an. "Natürlich können wir das auch für Sie übernehmen", sagt die Frau am Telefon. Allerdings klappe der Austausch mit den anderen Banken noch nicht optimal. So könne es passieren, dass eine Lastschrift untergehe.

Das will ich nicht riskieren, also fülle ich die Felder aus. Kompliziert ist es nicht, meinen Mobilfunkanbieter brauche ich nur in einer Liste auszuwählen. Nach fünf Tagen bestätigt er per Mail: Es hat geklappt. Trotzdem bin ich unsicher: Was, wenn ich jemanden vergessen habe? Zur Vorsicht werde ich mein altes Konto noch ein paar Monate parallel laufen lassen.

So einfach, wie es das neue Gesetz verspricht, war mein Wechsel also nicht. Gelohnt hat er sich trotzdem. Als ich meine neue Karte in den Bankautomaten schiebe, habe ich endlich ein gutes Gewissen. Zumindest fast: Als ich mein altes Konto damals eröffnete, warb ich noch drei Freunde, um die 50 Euro Prämie zu kassieren. Am besten schicke ich denen mal diesen Text.