Was es heißt, heutzutage im Kunstbetrieb als Global Player zu arbeiten, wird am deutlichsten in einer Publikation des britischen Künstlers Damien Hirst. In dem Kompendium The Complete Spot Paintings sind rund 1.400 zwischen 1986 und 2011 entstandene Gemälde abgebildet, die alle nichts anderes zeigen als Punkte, welche von Werk zu Werk lediglich in Anzahl, Größe und Farbkombination differieren.

Eigentlich alle zeitgenössischen Künstler mit globalem Markterfolg haben standardisierte Werkformen entwickelt, die sich mühelos – teilweise sogar von Dritten – seriell produzieren lassen. Das gilt für die Superflat-Bilder von Takashi Murakami genauso wie für die abstrakten Gemälde Gerhard Richters oder die besprühten Wände Katharina Grosses.

Der Galerist Thaddaeus Ropac, offenbar in Sorge, derartige Massenproduktion könnte den Künstlern als zu starke Nachfrageorientierung angekreidet werden, brachte bei einer Podiumsdiskussion im November 2016 in den Hamburger Deichtorhallen Claude Monets Heuhaufen-Serie ins Spiel, suggerierte also, im 19. Jahrhundert habe schon dasselbe stattgefunden: Damals wie heute gehe es vor allem um künstlerisch-wissenschaftliche Experimente und kaum um den Markt. Doch stimmt das? Wo bleiben dann die Unterschiede zwischen einem impressionistischen Maler, der jeden Strich eigenhändig auf die Leinwand setzte, und dem Manufakturbetrieb eines "global artist", der Dutzende Mitarbeiter in seinem Namen seriell produzieren lässt? Und sorgen die Abweichungen zwischen einzelnen Heuhaufen-Bildern nicht jeweils für eine andere Atmosphäre, während wechselnde Punktkombinationen bei Hirst folgenlos für das Erscheinungsbild sind?

Offenbar plagt Hirst nicht die Sorge, eine derartige Massenproduktion könnte ihm als zu starke Nachfrageorientierung angekreidet werden. Und auch viele Käufer haben offenbar kein Problem damit, für viel Geld etwas zu erwerben, das es so oder ähnlich in vielfacher Ausführung gibt. Tatsächlich werden Werke mit zahlreichen, sich ähnelnden Varianten oft mit besonders hohen Preisen belohnt.

Das hat etwas damit zu tun, dass Investoren und Spekulanten wissen wollen, wie viel Geld sie im Falle eines Verkaufs zu erwarten haben. Daher ist es für sie wichtig, dass möglichst viele ähnliche Werke existieren. Nur so taucht ausreichend oft eines auf dem Markt auf; es gibt Vergleichspreise, die stabilisierend und vielleicht sogar stimulierend wirken.

Man könnte Thaddaeus Ropac hier mit Aussagen eines anderen großen Galeristen konfrontieren, nämlich mit Thesen von Rudolf Zwirner, der in einem Interview (ZEIT Nr. 46/12) so offen über die Logik des heutigen Kunstmarkts sprach, wie es wohl nur jemand tut, der sich vom aktiven Geschäft verabschiedet hat. Am Beispiel von Werken Andy Warhols behauptete er, ihr hoher Preis "resultiert absurderweise daraus, dass es jeweils viele Exemplare von einem Motiv gibt". Deshalb nämlich könne sich "der Preis erst so richtig entwickeln", ja "mit dem Verkauf von vergleichbaren Werken [...] hochschraub[en]".

Aber auch Sammler können Gefallen an Werken finden, die es in vergleichbaren Exemplaren gibt, können sie dann doch die Konkurrenz mit anderen Sammlern besser ausleben. Das Wissen, fast dasselbe zu besitzen wie ein namhafterer Sammler, lässt sich dann ebenso genießen wie das Gefühl, Teil einer exklusiven Gemeinschaft zu sein, zu der alle gehören, die etwas aus derselben Werkserie haben. Sich von anderen Mitgliedern einer solchen Gemeinschaft abzuheben ist dann sogar noch leichter möglich als mit Werken von solitärem Status. So ist man vielleicht im Besitz der größten, der frühesten, der teuersten Variante einer Serie oder besitzt ein Exemplar mit besonders interessanter Provenienz.