Danke, ihr Briten! Vor 130 Jahren hatten sie genug von abgekupferten deutschen Billigwaren und verlangten bei allen Produkten den Hinweis auf das Herkunftsland. Ironischerweise war das die Geburt der Weltmarke Made in Germany, von der mehr als 40.000 Verbraucher in über 50 Ländern laut einer neuen Studie sagen: Das deutsche Label ist uns von allen das liebste.

Glückwunsch, deutsche Wirtschaft. Nicht einmal die Schummeldiesel konnten dem Ruf etwas anhaben. Besonders geschätzt ist die deutsche Qualität, in gleichem Maße schwören die Käufer auf die Sicherheitsstandards. Klingt langweilig, ist aber eine gute Nachricht.

Um ein aufregendes Design zu entwickeln, reicht eine Handvoll Hochbegabter. Dauerhafte Qualität dagegen können ein paar CEOs nicht herbeizaubern. Man kann sie auch nicht herbeizwingen mit Kontrollen und Leistungsanreizen. Sie kommt von unten, täglich geliefert von Millionen motivierter Leute.

Die soziale Marktwirtschaft nimmt die meisten Arbeitnehmer mit, gibt ihnen das Gefühl, zum produktiven Teil des Landes zu gehören. Der Erfolg von Made in Germany zeugt vom Respekt zwischen Firma und Mitarbeitern, von einer fruchtbaren Tarifpartnerschaft und vom dualen Ausbildungssystem, das starke Mitarbeiter hervorbringt.

Das sind Vorteile gegenüber den großen Handelskonkurrenten Amerika und China. Doch diese Stärken sind bedroht – von Unternehmen, die alles per Leiharbeit erledigen, von Verwaltungen, deren kafkaeske Abläufe die Motivation zerstören. Und vor allem vom Internet: Deutschland muss seine Stärken ins Digitale übertragen, wie das ersten deutschen Weltmarktführern im Netz auch gelingt. Es muss neue Ausbildungsgänge entwickeln und die Mitarbeiter weiterbilden, muss dafür sorgen, dass Algorithmen sie in erster Linie ermächtigen und nicht ersetzen.

Es lohnt sich, wie die hohen Preise für deutsche Autos zeigen. Aber Made in Germany bleibt nur ein Gütesiegel, wenn alle in der Wirtschaft daran teilhaben. Dann lernen uns vielleicht sogar die Briten schätzen. Laut der Studie sind sie immer noch sauer auf uns.

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