In die Wiege sei ihm die Zitrone nicht gelegt worden, sagt Michael Ceron aus dem beschaulichen Faak am See und krault seinen Wachhund, den er zärtlich Mausilein nennt. Das Riesenvieh ist 14 Jahre alt, eine attraktive Mischung aus Golden Retriever und sibirischem Schlittenhund. "Das ist der einzige reinrassige Zitronenhund der Welt", lacht Ceron. Er ist zertifizierter Bio-Zitronenbauer. Ein europäisches Unikat.

Wie bitte? Ein Kärntner, der Zitronen anbaut?

"Stimmt", sagt der 54-jährige, der auch als gefragter Experte in ganz Europa unterwegs ist und gut dotierte Vorträge zum Thema Zitrusfrüchte hält.

Mit dem Reden hat er keine Probleme. Zahlen, Daten und Fakten sprudeln nur so aus ihm heraus. Seine Sprache ist eine Mischung aus hochdeutschem Fachchinesisch und dem weichen Kärntner Singsang. Sein ganzer Körper tanzt dabei hin und her, seine Augen leuchten voller Begeisterung. Zwischendurch lacht er gerne, und noch bevor man eine Frage gestellt hat, verrät er einem schon die Antwort: "Österreich ist Bio-Weltmeister! 21 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen werden biologisch bewirtschaftet."

Das Zertifizieren sei "keine leichte Übung" gewesen, stöhnt er: "Niemand in Österreich hat sich mit Zitronen ausgekannt. Ich musste jedes Mal bis zu 1.500 Euro bezahlen, damit ein Beamter erscheint. Die haben meine Pflanzen begutachtet, Früchte mitgenommen und im Labor festgestellt, dass sie zu 100 Prozent bio sind." Ein Zertifikat wurde ihm trotzdem nicht ausgestellt. Dieser Streit habe viele Jahre gedauert. Mittlerweile ist jeder Topf und jeder Baum mit einer Nummer versehen. "Ich muss genauestens Buch führen, und Sammler aus ganz Europa kommen zu mir, um einen Zitronenbaum zu kaufen", sagt Ceron.

In seinem 4.000 Quadratmeter großen Zitrusgarten am Faaker See hegt und pflegt er derzeit 283 verschiedene Sorten: "Das ist einzigartig: Wo sonst kann man Hunderte Zitronensorten, die in Österreich gewachsen sind, in Bioqualität kaufen?"

Die größte private Sortensammlung ist ein lebendes Museum für Zitronen, Grapefruits, Bergamotten, Pomelos, Orangen, Mandarinen, Limetten, Bitterorangen und Kumquats.

Beim Rundgang durch die frisch duftenden Glashäuser strömt das Licht der untergehenden Sonne zwischen den Pflanzen hindurch, und man kann verstehen, warum 20.000 Menschen pro Jahr hierher kommen, um die beruhigende Atmosphäre zu genießen. Die Indoor-Plantage wirkt wie ein magischer Ort der Stille, an dem man die Langsamkeit entdecken kann.