Dieser Artikel stammt aus Christ & Welt, den Extraseiten der ZEIT für Glaube, Geist und Gesellschaft.

Ach, sie waren so voller Hoffnungen, die Piraten. Mit ihrer Partei wollten sie damals Deutschland aufmischen. Wie wagemutig! Wie anders! Die Piraten inszenierten sich als Außenseiter, so wie Jack Sparrow in der Kinoreihe Fluch der Karibik. Sie zogen damit Protestwähler an, aber auch solche, die den Politbetrieb langweilig fanden. Andere träumten von der großen Freiheit, wenigstens im Netz. Es war viel Idealisierung, viel Romantisierung dabei. Die Piratenpartei, gegründet 2006, zog 2011 und 2012 in mehrere Landtage ein. Zu Spitzenzeiten hatte sie 35.000 Mitglieder. Doch dann stellte sich Ernüchterung ein. Von einer frauenfeindlichen Diskussionskultur war die Rede, von einem zu netten Umgang mit rechtsextremen Parteimitgliedern. Der Tiefpunkt war erreicht, als der SPD-Abgeordnete Jörg Tauss inmitten von Kinderpornografie-Vorwürfen (für die er später verurteilt wurde) zur Piratenpartei wechselte – und ihn der Piraten-Bundesvorstand "herzlich willkommen" hieß. Da lobt man sich doch die biederen Parteien, mögen sich viele Wähler gedacht haben. Nun ist das Abenteuer vorbei. Wenn die Piraten sich auflösen, hat das zumindest einen positiven Nebeneffekt: All die abgetakelten Metaphern verschwinden bald aus der politischen Berichterstattung. Nie mehr: die Segel setzen, Flagge hissen, Anker werfen, an Land gehen, entern, kentern, absaufen, auf Grund laufen, Schiffbruch erleiden. Jetzt werden die Niederlagen endlich wieder erdrutschartig.