Frauke Petry hat geweint. Verständlich. Ich hätte auch geweint, wenn ich den Landesparteitag der sächsischen AfD in, nun ja, Weinböhla hätte besuchen müssen. Schließlich war Weinböhla, der Ort in der Elbtalsenke zwischen Meißen und Coswig, einst das größte Dorf der DDR. Die AfD, das Ding am Empathieschluchtgrund zwischen Elend und Flüchtlingsheim, hat es hingegen nur zum kleinsten Geist im wiedervereinigten Deutschland gebracht. Das ist schon traurig. Da kann es nur ein schwacher Trost sein, wenn sich die Kalkablagerungen, für die Weinböhla bekannt ist, auch in so manchem AfD-Mitglied wiederfinden.

Als Angela Merkel noch nicht Angela Merkel war, sondern Kohls Mädchen, hat sie auch einmal geweint. Am Kabinettstisch. Und als Joachim Gauck noch nicht wieder Joachim Gauck war, sondern noch Bundespräsident, hat er auch geweint, und zwar eigentlich immer und fast überall und gegen Amtsende immer überall. Weinen in der Politik macht einen Politiker nicht zur Heulsuse, sondern zum Menschen. Bei Gauck schoss das politische Weinen jedoch übers Ziel hinaus. Denn für seinen Nachfolger lautet die entscheidende Frage nun: Ist Steinmeier gauckgleich oder nur gauckähnlich?