Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Noch immer ist der Religionsunterricht ein heiß diskutiertes Thema. Der Salzburger Gemeinderat ist sich allerdings nicht ganz einig, was eigentlich unter "religiöser Erziehung" zu verstehen ist. Man erinnert sich, dass es etwa in den sozialistischen Kindergärten des Roten Wien während der siebziger Jahre ganz normal war, fünfjährige Knirpse inbrünstig linke Kampflieder singen zu lassen. Die Folgen können noch heute beobachtet werden: Eine Generation von SUV-Fahrern wuchs heran, die ihr schlechtes Gewissen mit Bionahrung zu beruhigen sucht. Nun möchten die Neos, kurz vor ihrem politischen Exitus, noch schnell eine Duftnote setzen. Man wolle zwar den Osterhasen nicht abschaffen, erklären sie, aber niemand solle mehr gezwungen werden, an ihn zu glauben.

Das ist interessant. Etwas abzuschaffen, was es gar nicht gibt, stellt eine gedankliche Meisterleistung dar. Es soll auch schon vorgekommen sein, dass der Fruchtzwergeclown in einen Kindergärten zu Besuch kam. Dieser lustige Kerl ist jedoch ein religiöses Symbol, das für die Total-Kommerzialisierung in der Krabbelstube steht. Das Manna dieser Glaubensgemeinschaft schmeckt nicht ganz wie Honigkuchen, ist deutlich süßer und muss auch nicht am selben Tage verzehrt werden. Aufgrund von chemischen Wundertaten hält es bis zum Jüngsten Gericht. Es ernährt auch andere Berufszweige, wie etwa die Zahnärzte, die von diesem Frontalangriff auf den Zahnschmelz unserer Kleinsten profitieren. Der Vorteil dieses Ritus liegt auch darin, dass er im Gegensatz zum schnöden Osterhasen ganzjährig vermarktet werden kann. Und Zucker ist bekanntlich ein Suchtmittel, daher sind Fruchtzwerge Opium für das Jungvolk. Also: Schafft die Fruchtzwerge ab! Das wäre doch für die Neos ein neues Kernthema.