Der Chef bin ich. Und das ist das Problem.

Habe ich diesen widerlichen Satz gerade wirklich gesagt? Ich sitze in einem Taxi und bin spät dran, und ich suche einen Schuldigen, der nicht ich bin. Erschwerend kommt hinzu, dass ich müde bin, verkatert und überhaupt etwas schräg im Leben, kurzum: Ich bin ein Knoten auf der Rückbank eines Taxis auf dem Weg zum Hauptbahnhof.

Ich hatte immer an Solidarität geglaubt. An Empathie. Daran, dass Menschen, die unter ähnlichem Druck stehen, mehr Verständnis, mehr Nachsicht und mehr Geduld haben müssen. Daran, dass wir Beschleunigten und nur vermeintlichen Freien zueinanderhalten. Weil wir wissen, wie der Druck den Rücken kaputt und den Schlaf löchrig macht. Und weil ein gutes Netz Druck besser abfedert.

Aber jetzt, da sich der Verkehr um das Taxi seit Minuten nicht bewegt, stelle ich fest: Das ist alles richtig – und romantischer Unfug. Je größer der Druck ist, unter dem ich stehe, desto größer wird auch der Druck, den ich anderen mache. Wenn jemand entspannt vor sich hin arbeitet, empfinde ich keine Großzügigkeit, sondern Neid. Wenn bei anderen etwas schiefgeht und mir derjenige damit kommt, empfinde ich Wut.

Ich sitze also in diesem Taxi im Stau, sehe auf meiner Uhr die Minuten verrinnen, den Zug abfahren, sehe mich am Telefon entschuldigen, sehe Mehrkosten, sehe Nachtschichten, werde zu genau der ätzenden Parodie eines gehetzten Mannes, die ich nie werden wollte, und sage, nur einen Augenblick bevor ich erst merke, dass ich mich in ein Monster verwandelt habe: "Wenn ich so arbeiten würde wie Sie, würde ich nie wieder einen Auftrag bekommen."