Sie wundern sich, dass wir Ende März mit diesem Thema ankommen? Nun, man kann froh sein, dass es nicht bis Ende August gedauert hat. Bei manchen Recherchen braucht es einige Zeit, bis man Antwort bekommt – gerade wenn es sich um eine brisante Frage wie diese handelt und die Antwort angesichts der allgemeinen Sicherheitslage leider gefühlt schon auf der Hand liegt. Umso erstaunlicher, wenn dann die Erklärung eine völlig andere ist.

Aber von vorn: Viele Hamburger feuern zu Silvester nicht selbst, sie lassen feuern. Wo? O-Ton der Website von Hamburg Tourismus: "Direkt am Wasser finden die beiden größten Silvesterfeuerwerke in der Hansestadt statt. Das Feuerwerk im Hafen, auf der Höhe der Landungsbrücken, wird akustisch von den Signalhörnern aller im Hafen liegenden Schiffe begleitet. ... Diejenigen, die etwas ruhiger das neue Jahr begrüßen wollen, sollten sich das Feuerwerk rund um die Alster anschauen." Aber die Fans des Feuerwerks an der Alster waren bitter enttäuscht. Statt dass wie sonst um 0 Uhr von einer Barge in der Mitte der Binnenalster aus das große Spektakel in die Luft ging, geschah – nichts. Gar nichts. Nicht einmal eine Barge war da! Unter den Enttäuschten kursierten bald Gerüchte. Steckte der Oberfeuerwerker in einem stehen gebliebenen ICE? War das komplette Alsterfeuerwerk versehentlich auf die Insel Neuwerk geliefert worden? Oder, das nachhaltigste Gerücht, waren die Sicherheitsauflagen so hoch, dass man nicht wusste, wie man sie erfüllen sollte?

Diverse Informanten schwiegen, Informationswege versandeten. Zeit für unbequeme Fragen an Hamburg Tourismus. Erste Frage: "Wer hätte das Feuerwerk veranstalten sollen (und tat es dann nicht)?" – "Niemand", erwidert Sprecher Sascha Albertsen. "Die Informationen im Internet waren leider veraltet. Ein Feuerwerk war für den Jahreswechsel 2016/17 nicht geplant." Zweite Frage: "Wieso war kein Feuerwerk geplant?" Wegen des Winterzaubers am Jungfernstieg, sagt Albertsen. Dieser Weihnachtsmarkt hatte früher immer bis 6. Januar geöffnet, seit 2016 schließt er schon am 30. Dezember. Deshalb habe der Veranstalter, der nicht nur den Winterzauber, sondern früher auch das Alsterfeuerwerk steigen ließ, keinen Grund mehr gesehen, Geld in ein Feuerwerk zu investieren, wo doch der Weihnachtsmarkt längst geschlossen war. Liebe Freunde des Alsterfeuerwerks, Sie müssen stark sein: Es ging all die Jahre nicht um Sie – it’s the economy, stupid! Aber das ist in dem Fall doch ganz beruhigend.