Ein eisiger Wind fegt um das amerikanische Außenministerium unweit des Potomac River in Washington und lässt die zerrissenen Plastikplanen vor den Fenstern in den oberen Stockwerken heftig flattern. Am Baucontainer darunter informiert eine Holztafel: "Für das Volk der Vereinigten Staaten von Amerika baut hier Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten".

Was genau hinter den Planen geschieht, war lange nicht klar. Seit wenigen Tagen gibt es darüber kaum noch Zweifel. Im Außenministerium wird der Rückbau des amerikanischen Verwaltungsstaates begonnen. Büros werden umgebaut, um fast ein Drittel will Trump das Budget des Ministeriums verkleinern. So hat er es in seinen Haushaltsentwurf geschrieben. Und auch fast alle anderen Ministerien sollen mit sehr viel weniger Geld und Personal auskommen. Es ist der brutalste Haushaltsvorschlag, den Amerikas Verwaltung seit Langem gesehen hat.

Ginge es tatsächlich nur um das Schrumpfen einer komplexen und in Teilen durchaus ineffizienten Bürokratie, würden das viele Mitarbeiter im Außenministerium sogar begrüßen.

Zusätzlich zu den sechs großen Abteilungen, die sich mit ihren bis zu zwölf Unterabteilungen unter anderem um einzelne Weltregionen, um Waffenkontrolle und Sicherheit kümmern, gibt es mittlerweile 17 Sondergesandte, 15 Sonderrepräsentanten, 16 Koordinatoren, sechs Sonderbotschafter und eine Vielzahl von Sonderberatern. Oft überschneiden sich ihre Kompetenzen. "Als wir den Presse-Leitfaden für den Nuklear-Deal mit dem Iran zusammengestellt haben", sagt ein Mitarbeiter, "hat das Wochen gedauert. Jede Abteilung bis runter zu der, die sich mit globalen Frauenfragen beschäftigt, wollte da mitreden."

Doch um Effizienz geht es in Trumps Plan allerhöchstens am Rande. Das Außenministerium ist das älteste Ministerium des über 200 Jahre alten amerikanischen Verwaltungsstaats. Seine Aufgabe ist es, die Interessen Amerikas in der Welt zu vertreten. Dafür stehen ihm 75.000 Diplomaten und lokale Angestellte in 180 Ländern der Welt zur Verfügung. Im vergangenen Jahr kostete das 36,7 Milliarden Dollar. Das hört sich nach sehr viel Geld an. Für ein reiches Land und eine globale Supermacht wie Amerika aber bedeutet das gerade mal ein Prozent des gesamten Haushalts.

Woran sich Trump stört, ist etwas ganz anderes. Es geht ihm nicht um das, was das Außenministerium im Portemonnaie, sondern was es im Kopf hat, um eine Weltordnung, von der es in den vergangenen 60 Jahren hieß, dass sie den größten Nutzen für Amerika hat. Kern dieser Idee ist die Annahme, dass es der Welt zum Vorteil gereichte, wenn alle Staaten Demokratien wären, denn demokratische Staaten würden keinen Krieg gegeneinander führen. Das Ministerium ist darum seit Jahrzehnten fest davon überzeugt, dass es gut für Amerika ist, die enge Vernetzung der Welt voranzutreiben und die Demokratie zu verbreiten.

Diese Ordnung ist in mehr als 200 Abkommen mit Staaten festgelegt, sie wird durch zahlreiche Programme unterstützt, vom Kulturaustausch über den Handel bis zur Wirtschaftshilfe für arme Staaten. Ein solches globales Netz aufgebaut zu haben, darauf ist das Ministerium stolz. Darum gibt es zwischen den im klassizistischen Stil gebauten Nord- und Südflügeln des Ministeriums seit einigen Monaten nun ein gläsernes Diplomatie-Museum, das vielleicht nicht zufällig an einen hell erleuchteten Apple Store erinnert. Wenn es Ende 2018 eröffnet wird, soll den Amerikanern hier die Notwendigkeit der Diplomatie für Frieden und Wohlstand des Landes erklärt werden. Noch ist das Museum jedoch leer.

Wenn es nach Trump ginge, könnte das wohl auch so bleiben. Denn zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg stellt ein Präsident die Logik dieser amerikanischen Weltordnung infrage. Trump fragt: Nützen uns all diese Demokratisierungsbemühungen wirklich? War die Welt vor dem Arabischen Frühling nicht sicherer? Muss Außenpolitik so kompliziert sein? Und wie bei so vielen Fragen, die Trump stellt, trifft er auch hier einen wahren, schmerzhaften Kern.