Dieser Artikel stammt aus Christ & Welt, den Extraseiten der ZEIT für Glaube, Geist und Gesellschaft.

Toleranz und Vielfalt in Zeiten des Islamhasses – dafür wollte die US-amerikanische Sängerin Alicia Keys werben. Also lud sie auf der Online-Plattform Twitter das Foto einer Frau hoch, die einen schwarzen Nikab trägt. Nur ihre Augen schauen aus dem Ganzkörperschleier heraus und ein nacktes Bein, das sie keck hervorstreckt. Aufgenommen hat das Bild der Künstler Ali Al Sharji. Die meisten Frauen im Westen tragen den Nikab freiwillig, viele mit Stolz. Dafür werden sie angefeindet. Alicia Keys schrieb deshalb zu dem Foto: "Unsere Stärke liegt in unseren Unterschieden/ Unsere Kraft liegt in unserer Vielfalt/ Wir sind so schön/ Alle von uns/ Wenn wir uns gegenseitig ansehen/ Sehen wir uns selbst". Die Botschaft verbreitete sich rasch auf Twitter, wo 25,5 Millionen Menschen Alicia Keys folgen. Dort sorgte das Foto für Empörung. Doch es waren nicht die üblichen Islamhasser, die sich an die Spitze der Bewegung setzten – sondern Feministinnen, darunter viele muslimische Frauen. Sie warfen der Sängerin vor, den Nikab zu romantisieren. Eine Frau schrieb: "Lass mich dich aufklären: Frauen im Nahen Osten genießen nicht den Luxus, ihre Kleidung frei wählen zu dürfen. Wir werden gezwungen, die Uniform, die du in deinem Post gezeigt hast, zu tragen. Und werden von der Regierung und der Gesellschaft bestraft, wenn wir dies nicht tun", wie Stern.de zitierte. Eine andere Frau klagte: "Das ist ein lebendes Beispiel dafür, wie westliche Feministinnen uns betrogen haben! Ich fühle mich wirklich enttäuscht." Eine ägyptische Ärztin schrieb: "Unterschiede? Vielfalt? Schönheit? Wir sehen uns gegenseitig an? Wir essen Spaghetti?" Dazu postete sie eine Zeichnung von Frauen im Nikab, die traurig auf ein Eis in ihrer Hand schauen – wegen des Gesichtsschleiers können sie es nicht essen. Toleranz, Vielfalt, Unterdrückung – überall auf der Welt gibt es andere Symbole dafür. Manche widersprechen sich. Alicia Keys löschte das Foto wieder.