Vor ein paar Tagen klingelte mein Versicherungsberater an der Tür. Ich hatte am Telefon versucht, ihn abzuwimmeln, und vergessen, dass ich ihm am Ende zugesagt hatte. Nun saß er in meiner Küche und wollte keinen Kaffee, nur Wasser ohne Kohlensäure. Nennen wir ihn Fetscher.

Herr Fetscher arbeitet für eine große Privatversicherung, er hat mich angerufen, weil etwas mit meiner Berufsunfähigkeitsversicherung nicht stimmte. Meine Mutter hatte sie während meiner Ausbildung für mich abgeschlossen, als Beruf war da noch "Außenhandelskaufmann" vermerkt, was ich seit elf Jahren nicht mehr bin. Das könne man nicht am Telefon regeln, hat Herr Fetscher gesagt. Es sei besser, wenn er vorbeikomme.

Und so saß er da, Herr Fetscher, die Ausbildung gerade abgeschlossen, mit Flaum und rosigen Wangen und einem Anzug wie ein Konfirmand. Der Berufswechsel war schnell geklärt, aber da er schon mal hier war, konnte er ja auch gleich alles andere abklopfen. Mit seinem blassen Zeigefinger fuhr er über eine Liste:

  • Hausratversicherung
  • Glasbruchversicherung
  • Bausparversicherung
  • Vermögenswirksame Leistungen
  • Altersvorsorge

Ob ich noch Versorgungslücken bei der Absicherung im Alter hätte? "Das ist nichts, was wir hier jetzt klären könnten", sagte ich. "Aber ich bin da dran."

Die Wahrheit ist: Ich bin an überhaupt nichts dran. Keine Lebensversicherung, keine Altersvorsorge, kein Eigenheim. Die Generation Y, die 18- bis 37-Jährigen, setze auf Sicherheit, das lese ich immer wieder. An mir ist das irgendwie vorbeigegangen. Ich bin von dem Typus, den das Deutsche Institut für Altersvorsorge den "sorglosen Ignorierer" nennt. Ich gehöre zu den 13 Prozent, die sich "äußerst ungern mit dem Thema 'Altersvorsorge' beschäftigen" und stattdessen ein "ausgeprägtes Bedürfnis nach Freiheit" haben, "beweglich bleiben und viel reisen" wollen. Das klingt wie ein Vorwurf.

Stecke ich, wie das Institut es beschreibt, "buchstäblich wie ein Vogel Strauß den Kopf in den Sand"? Ich weiß nicht. Ich traue Herrn Fetscher einfach nicht, das ist nichts Persönliches. Ich traue auch den Postern der Sparkasse nicht, die mit den glücklichen Familien vor dem Neubau. Und dann ist da dieser Werbespot einer Versicherung, ich hab ihn hundertmal gesehen, aber er zündet einfach nicht.

Ein Mann ist im Urlaub, Palmen, Bambus, weiße Tücher, aber plötzlich steht dieser Alte neben ihm. Er sieht ihm ähnlich, er könnte sein Vater sein. "Ihr Ruhestand", sagt eine Stimme, "da fällt er Ihnen wieder ein!" Der Alte steht dem Jungen in der Sonne, bespritzt ihn im Pool, setzt sich an der Strandbar dazu, die junge Frau steht auf, der Flirt ist aus. "Er ist immer da", sagt die Stimme, "und lässt Ihnen keine Ruhe."

Geht es irgendjemandem wirklich so?