Falls Sie über Bier diskutieren möchten, fahren Sie lieber gleich weiter. Wir wollen Ihre Argumente nicht hören. Uns schmeckt unser Erdinger Weißbier besser als jedes andere, und wenn es Ihnen genauso geht, sind Sie willkommen. Sie sind auch willkommen, wenn Sie nicht vorhaben, über Bier zu diskutieren, weil Sie zum Beispiel Ihre Stimme schonen wollen oder weil Sie gar kein Bier mögen. Lieber kein Bier als das falsche.

Starten Sie Ihre Erkundungstour dort, wo das Selbstbewusstsein der Erdinger seinen Ursprung hat: vor dem Erdinger Weißbräu. 1886 wurde hier erstmals gebraut, heute befindet sich in dem Gebäude ein Hotel mit bayerischer Wirtschaft. Lassen Sie sich in holzvertäfelter Gemütlichkeit ein geräuchertes Wammerl mit Weinsauerkraut schmecken. Bierstreber können ein Taxi in die Franz-Brombach-Straße nehmen und sich durch die heutige Brauerei führen lassen. Auch dort bekommt man Wammerl. Alle anderen laufen die Lange Zeile entlang, auf Kopfsteinpflaster und an bunten Giebelhäusern vorbei. Sie merken sicher schnell, wie hübsch es hier ist. Und wie wenig es zu tun gibt. Für Theater, Partys und Museen müssten Sie 40 Kilometer nach München fahren. Vielleicht haben die Erdinger deswegen begonnen, Bier zu brauen, in ihrer properen Herzogstadt wäre sonst gar nichts los gewesen.

So gelingt hier zumindest das Genießen, mit Bier und kalorienreichem Essen, denn davon braucht es viel, wenn es Bier gibt. Gehen Sie die Lange Zeile weiter, bis Sie rechts das Schokoladenkontor Franz erreichen. Es bimmelt im Laden, wenn Sie die Türe öffnen. Drinnen packen schöne Damen mit Dutt und weißen Handschuhen den Kunden ihre Pralinen ab. Kaufen Sie Salzkaramell für unterwegs. Sie können es am Wasser essen, wenn Sie links in den Mühlgraben einbiegen und ein Stück an der Sempt entlangspazieren.

Wollen Sie auch den Fischen etwas Gutes tun? Dann sollten Sie 50-Cent-Stücke dabeihaben, denn Sie kommen an einem mit Stickern tapezierten Fischfutterautomaten vorbei; der wechselt aber kein Geld. Laufen Sie am Wasser entlang bis zum Ende der Straße, und biegen Sie rechts zum Schönen Turm ab. Im Mittelalter war er Teil der Stadtmauer, heute behindert er vor allem den Verkehr. Durch sein Tor passt nur ein Auto, der Gegenverkehr muss warten.

Sie gehen einfach links am Torbogen vorbei. Sehen Sie die grüne Holztüre am Turm? Gehen Sie hindurch, steigen Sie die schiefen Stufen hinauf in die Ratsstube, und genießen Sie den Blick über die Dächer. Unten kommen Sie an einem weiteren Schokoladenladen vorbei, in Erding gibt es insgesamt fünf davon. Wir haben auch sieben Friseure und sechs Optiker. Aber wichtig ist für uns nur das Bier. Deshalb verstehen wir bei diesem Thema so wenig Spaß.

Wenn Erding Sie schon geschafft hat mit seinem Bier und dem ganzen Fett, können Sie am Rathaus in den 550er-Bus steigen und in die größte Therme Europas fahren. Dort müssen Sie nichts essen. Falls Sie etwas trinken wollen, bestellen Sie an der Poolbar ruhig ein Glas Wein. Sie können mit Gleichgesinnten ungestört fachsimpeln, denn mit Wein kennen wir uns nicht aus. Der kommt bei uns ins Sauerkraut.