1,14 Milliarden Euro Gewinn: Das klingt nach einem Sümmchen, das die meisten Unternehmer ruhig schlafen lassen könnte. Und auch bei 537 Millionen Euro Gewinn sollte sich normalerweise die Panik in Grenzen halten. Die erste Zahl ist das Konzernergebnis 2016 von Bertelsmann, das beste seit zehn Jahren, das dessen Chef Thomas Rabe neulich in Berlin präsentierte. Und die zweite Zahl ist der Betriebsgewinn von Penguin Random House, der global agierenden Buchsparte von Bertelsmann mit weltweit 250 Verlagen. Eine halbe Milliarde reicht aber nicht, um renommierte und erfolgreiche deutsche Verlage vor diffusen Umstrukturierungen zu bewahren, über die zudem bisher niemand öffentlich reden will: Die Verlage Siedler, DVA, Knaus und Manesse, die seit Langem zu Random House gehören, werden unter einer neuen Marke Penguin Hardcover gebündelt; an deren Spitze steht jetzt die bisherige Knaus-Sachbuchleiterin Britta Egetemeier. Eigenständig verantwortliche verlegerische Leiter wird es nicht mehr geben. Unter dem neuen Namen dürften dann vom starken Profil dieser klangvollen Verlage kaum mehr als hübsch gestaltete Potemkinsche Dörfer übrig bleiben.

Die Geschichte dahinter klingt nach perfektem Stoff für den nächsten gesellschaftskritischen Roman von Juli Zeh, die 2015 vom kleinen Schöffling Verlag zu Luchterhand wechselte, der ebenfalls zu Penguin Random House gehört. Zur Erinnerung: Bertelsmann und das britische Medienhaus Pearson zimmerten 2013 aus Random House (Bertelsmann) und Penguin (Pearson) Penguin Random House, den weltgrößten Verlagskonzern. Nun jedoch ziehen sich die Briten zurück, und Bertelsmann sucht händeringend einen neuen Co-Investor. Denn: "Es ist nicht in unserem Interesse, über einen längeren Zeitraum ins Risiko zu gehen." So spricht der Bertelsmann-Finanzchef über die Verlagssparte; er wird, falls der Konzern die milliardenschweren Pearson-Anteile zumindest zeitweilig übernehmen muss, zwangsläufig woanders sparen. Dafür habe man bereits "eine Reihe von Hebeln identifiziert, die wir ziehen können". Wer kapitalistisch eins und eins zusammenzählt, ahnt, dass dazu auch die feinen Hebelchen Siedler, Manesse und Co. gehören. Traditionsreiche, ausgezeichnete Verlage werden kurzfristigen Milliardenzwängen von Megafusionen geopfert. Vielleicht schreibt Juli Zeh ja mal nicht wie sonst der Bundeskanzlerin einen offenen Brief, sondern ihrem Konzernchef: "Lieber Thomas Rabe ..."