Wer Radwegebau und Fahrradstraßen für eine rot-grüne Narretei hält und auf ein möglichst schnelles Ende dieses ganzen Fahrradspuks hofft, der sollte dieser Tage am Kiosk einen Blick auf das Zeitschriftenangebot werfen. Soeben erscheint, jawohl, Bike Bild ("Neu! Das Magazin für jeden, der Fahrrad fährt"). Radfahrer als Zielgruppe für den Springer-Verlag und seine Anzeigenkunden – wenn die ökonomische und politische Relevanz dieser wachsenden Gruppe von Verkehrsteilnehmern noch bewiesen werden musste, nun ist es geschehen.

In der ZEIT-Redaktion haben wir das Erscheinen von Bike Bild lange und durchaus sorgenvoll erwartet, was an Projektentwickler Jörg Maltzahn liegt, den wir als Autor eines Fahrradblogs kennen. Nicht, dass der Mann nichts von Rädern verstünde, im Gegenteil. Es ist nur so, dass Maltzahn schöne alte Manufaktur-Fahrräder mit Stahlrahmen liebt (wie es viele Fahrradenthusiasten tun), dass er sich auf Fahrradflohmärkten und Critical-Mass-Veranstaltungen herumtreibt und zwischendurch selbst alte Räder restauriert – dass er, kurzum, so nerdige Vorlieben hat, wie ein Radfreak sie nur haben kann, und, das war zu befürchten, einen entsprechend wenig massentauglichen Geschmack.

Um das Problem in die Sprache von Nicht-Radfahrern zu übersetzen: Stellen Sie sich vor, ein Autotester müsse einen VW Passat Probe fahren und würde dabei die ganze Zeit von alten englischen Sportwagen träumen.

Das konnte, so glaubten wir, nicht gut gehen. Ein Irrtum. Bike Bild ist eine sehr gute Fahrradzeitung, jedenfalls der ersten Ausgabe nach zu urteilen: kompetent, relevant, vielfältig, originell.

An Fahrradtests zum Beispiel sind schon Größere gescheitert, etwa die Stiftung Warentest, deren Ingenieure sich bisweilen absurde Qualitätsmaßstäbe ausdachten ("Kann der Boden des Kinderanhängers von unten durch einen spitzen Stein aufgeschlitzt werden?") und zu entsprechend absurden Bewertungen kamen. Oder die zahlreichen Renn- und Mountainbike-Magazine, die alle paar Wochen aufs Neue die Produkte ihrer Anzeigenkunden bewerten und mit schöner Regelmäßigkeit als Ergebnis festhalten, die seien ja irgendwie alle ganz gut.

Das Fahrradmagazin der Bild ist anders. Was schlecht ist, wird schlecht genannt, aus nachvollziehbaren Gründen. Auch erfahrene Alltagsradler können hier noch dazulernen. Kettenpflege zum Beispiel ist für jeden Vielfahrer ein unvermeidliches Thema, aber weil jeder nur über seine Privatempirie verfügt, existierten in dieser Frage bislang mehr Überzeugungen als Kenntnisse. Dank Bike Bild gibt es nun auch Laborergebnisse zu den unterschiedlichen Schmierstoffen.