Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Demokratie ist ein kniffeliges Betätigungsfeld, besonders für Superdemokraten. Bei den Hochschülerschaftswahlen werden zwei grüne Fraktionen gegeneinander antreten. Die Jungen Grünen wollen die Liste Gras herausfordern. Verglichen mit dieser Mutter aller Schlachten mutet die legendäre Härtepartie von Simmering gegen Kapfenberg wie eine sittsame Kaffeejause an. Was war geschehen? Die Renegaten kritisieren das Konsensprinzip der Grasler. Unsinn, natürlich. So als ob der demokratische Prozess etwas mit Mehrheitsbildung zu tun hätte. Erst wenn alle für eine bestimmte Forderung eintreten, lebt man in einer totalen Demokratie. Vollkommen humorlos, wie so häufig, drohten die Alten Grünen daraufhin, den Jungen Grünen den Geldhahn abzudrehen und sie aus der Partei zu schmeißen, sollten die Grünschnäbel es trotzdem wagen, zu kandidieren. Das entspricht zwar nicht mehr ganz dem Konsensprinzip, ist aber verständlich. Denn wer den totalen Konsens nicht will, der duldet einen untotalen Unkonsens. Mehrheiten schaffen eben Minderheiten, und das finden die grünen Altvorderen jetzt wieder gar nicht cool. Besonders lustig ist, dass das "a" in Gras für alternativ steht. Ursprünglich meint der Begriff: "zwischen zwei Möglichkeiten die Wahl lassend". Die Wahl wird bei diesen Alternativen aber erst gar nicht zugelassen, darüber herrscht Konsens. Also: konsensualer Parteiausschluss, basta. Der erste Grüxit der Geschichte war perfekt. Der Kompromiss ist eben nur der kleine hässliche Bruder des Konsenses. Kritik ja, immer, aber nicht an uns. Die Alten Grünen kündigen auch gleich die Gründung einer neuen Plattform an: "Gegen den Rechtsruck und für soziale Gerechtigkeit". Hm, wie war das mit dem Glashaus und den Steinen?