Natürlich könnte Lucy, die kleine Hundenärrin, einfach zum Züchter gehen und ein Tier kaufen. Doch sie wählt den franziskanischeren Weg: Wer meldet sich freiwillig? Wer möchte Hund bei Lucy sein?

Ihr ganzes Geld hat sie gespart und tausend Gummiknochen gekauft, kennt alle Hassobücher, und überm Kinderbett hängen die Starschnitte von Cocker und Spitz. Das Casting allerdings fällt ein wenig enttäuschend aus für Lucy. Erst meldet sich ein Frosch, der ein tägliches Bad verlangt. Dann ein Fuchs, der nur in Teilzeit, Di-Mi-Do, als Haustier zur Verfügung steht. Nein, nein, nein. So hat Lucy sich das nicht vorgestellt. Ein Vollzeithund soll es schon sein.

Da wittert der Bär seine Chance. Ihn lockt der Job bei Lucy sehr: gemütliches Heim, großes Getätschel, natürlich Vollpension. Da ist er dabei.

Gewiss, auch ein Bär ist kein Hund. Andererseits: Warum soll ein Bär kein Hund sein? Er muss es nur behaupten. Doch Lucy zweifelt. Ihr Hundelexikon kennt keinen Hund namens Bär. Ach was, wischt der Bär all ihre Bedenken zur Seite, das doofe Buch sei längst überholt: "In letzter Zeit wurden ganz viele neue Hunde erfunden."

Natürlich, das ist es: Bär ist ein ganz neuer Hund! Avantgarde! Nach vorne gedacht! Das ist wichtig im Leben, Lucy willigt ein.

Der Bär ist begeistert. Schlendrian ohne Ende. Großer Garten, viel Spielzeug, üppige Mahlzeiten, super Bett, die schwer verliebte Lucy, die ihn verhätschelt – alles wie erwünscht.

Dann aber kommt, was kommen muss in jeder großen Liebe: der Winter, und eine ganz bärenhafte Müdigkeit überfällt den neuen Hund. Zeit für den Winterschlaf, Zeit, sich auf die gute alte Bärenhaut zu legen, natürlich in Lucys Bett.

Das kann nicht gut gehen.

Aber natürlich geht es gut. Der glückliche Schluss dieses wunderbaren Bilderbuches von Diane und Christyan Fox wird hier allerdings nicht verraten. Es ist eine ebenso schlichte wie klassische Fabel, die das englische Grafiker- und Kinderbuchkünstlerpaar erzählt. Es sind die ganz großen, ganz ewigen Themen, federleicht und heiter verhandelt: Wer bin ich? Und wer will ich sein? Und warum nicht? Und warum doch? Vor allem aber ist es eine kleine herzerhebende Geschichte, die Mut macht, den anderen so zu mögen, nicht wie er ist, sondern wie er sein will.

Diane und Christyan Fox: Ein Hund namens Bär. Ab 4 Jahren; Deutsch von Alexandra Ernst; Verlag Freies Geistesleben 2017; 32 S., 15,90 €