Der größte Verlierer der Globalisierung wiegt mehr als ein gepanzerter Mercedes S-Klasse und ist so hoch wie ein Bungalow. Afrikanische Elefanten in China sind begehrt, genauer: ihre Stoßzähne. Seit asiatische Unternehmen in Afrika Milliarden investieren, bringen die entsandten Geschäftsleute immer wieder ein Souvenir mit: Elfenbein.

Noch immer weist eine aufwendige Elfenbeinschnitzerei in der eigenen Wohnung seinen Besitzer als reich und traditionsbewusst aus. Nun aber soll das ein Ende haben. Vor wenigen Tagen verkündete die staatliche Forstbehörde, dass sie nun beginne, Elfenbeinschnitzern und -händlern die Lizenzen zu entziehen. Bis Ende des Jahres soll der gesamte chinesische Markt zum Erliegen kommen. Ist es so einfach? Wohl kaum.

Schon heute werden in China neun von zehn Elfenbeinstücken im Verborgenen gehandelt. Kunstvolle Schnitzereien aus ganzen Zähnen, Buddha-Statuen aus abgesägten Stücken oder maschinell produzierte Essstäbchen werden in geschlossenen Facebook-Gruppen und exklusiven Chat-Räumen verschoben. Schließt China seinen legalen Markt, bleibt der illegale bestehen. Von Vorteil ist für Polizisten und Staatsanwälte immerhin: Dank des Verbots müssen sie nicht erst nachweisen, dass ein Stück illegal ins Land gelangt ist. Sie können gegen jeden ermitteln, der mit Elfenbein handelt. Und wenn es künftig keine Schlupflöcher mehr gibt, wissen potenzielle Käufer, dass sie drauf und dran sind, Verbotenes zu tun.

In den vergangenen drei Jahren hat der angekündigte Bann den Preis schon um zwei Drittel gedrückt. Die Händler wollten ihre Bestände loswerden, bevor es zu spät ist. Die Entscheidung ist also tatsächlich ein großer Erfolg für den Artenschutz und die Giganten der Wildnis. Doch der chinesische Bann wird das generelle Problem des brutalen Elfenbeinhandels nicht lösen.

Die instabile Lage in Ländern wie Sudan oder Tschad macht Wilderern das Handwerk leicht. Tansania, einst einer der Staaten mit der größten Population, verlor in nur fünf Jahren 60 Prozent seiner Elefanten – internationale Kartelle verdienen an der Abschlachtung der Herden und bestechen Beamte bis in die höchsten Ebenen.

Es sind eben nicht nur die kleinen Geschäftsleute, die schmuggeln. Das Big Business ist in der Hand straff organisierter, international agierender Kartelle. Sie besitzen nicht nur Waffen, sondern auch Helikopter zum Aufspüren der Beute. Um nicht erwischt zu werden, zahlen sie Millionen Dollar Schmiergeld. Die Wilderer gehen ohne jede Skrupel vor. Um an die Stoßzähne einzelner alter Tiere zu kommen, töten sie mit ihren Maschinengewehren grundsätzlich die ganze Gruppe, inklusive Nachwuchs. Der würde bei der anstrengenden Arbeit – Elfenbein aus den Kiefern sägen oder hacken – nur stören.

Bevor Europäer nach Afrika kamen, zogen mehr als 1,3 Millionen Elefanten über den Kontinent, heute sind es weniger als 500.000. Alle 20 Minuten wird es einer weniger. "Diese Art könnte während unserer Lebenszeit aussterben, in einer oder zwei Dekaden, wenn der gegenwärtige Trend weiter anhält", sagt der Elefantenforscher Dune Ives von der NGO Vulcan. Chinas neue Gesetze allein werden den Trend kaum durchbrechen.